Ich stimmte zu. Ruhig, emotionslos, ohne dramatische Pausen. Sergei entspannte sich sichtlich, lächelte sogar, als hätte er gerade einen kleinen, aber wichtigen Sieg errungen.

„Aber ich habe eine Bedingung“, fügte ich hinzu.

Er hob eine Augenbraue. „Welche denn?“

Ich nahm einen Schluck Wasser und antwortete genauso sachlich wie er vorhin.

„Wenn wir die Wohnkosten hälftig teilen und der Haushalt allein in meiner Verantwortung liegt, dann müssen wir das als Arbeit betrachten. Richtige Arbeit.“

Er schwieg einen Moment, als erwartete er, dass ich lachen würde. Als er merkte, dass ich es ernst meinte, lehnte er sich in seinem Stuhl zurück.

„Was meinst du damit?“, fragte er vorsichtig.

„Ganz einfach“, fuhr ich fort. „Wir machen eine Liste mit allen Hausarbeiten: Kochen, Putzen, Wäsche waschen, Einkaufen, Essensplanung, Wohnungsreinigung. Wir legen für jede Tätigkeit einen Marktwert fest, basierend auf den Preisen für Reinigungsdienste, Lieferdienste und Haushaltshilfen. Ich übernehme diese Aufgaben. Und Sie bezahlen mich monatlich.“

Sein Lächeln verschwand.

„Das ist doch absurd!“, keuchte er. „Wir sind ein Paar, keine Firma.“

Ich nickte. „Genau. Wir sind ein Paar. Nicht ich, Ihre unbezahlte Angestellte.“

Er versuchte, die Sache mit Humor zu nehmen. Er meinte, ich würde übertreiben, Frauen würden heutzutage alles nur verkomplizieren, seine Mutter hätte sich nie um solche Dinge gekümmert. Ich erwiderte ruhig, seine Mutter habe in einer anderen Zeit gelebt und ich würde keine Rolle übernehmen, die mir nicht passe.

„Also entweder teilen wir die Hausarbeit und die Ausgaben gleichmäßig auf“, schloss ich, „oder du übernimmst die volle finanzielle Verantwortung für die Wohnung und ich kümmere mich um den Haushalt. Oder die dritte Möglichkeit: Wir leben jeder allein.“

Das darauf folgende Schweigen war schwer. Nicht wegen der Wohnung. Sondern weil mir zum ersten Mal klar wurde, wie unterschiedlich wir das Wort Partnerschaft verstanden.

Sergej sagte, er müsse darüber nachdenken. Ich sagte, es gäbe keine Eile.

Er kam nie wieder darauf zurück. Er sprach nie wieder davon, zusammenzuwohnen. Und ein paar Wochen später begann er selbst, sich zurückzuziehen. Weniger Nachrichten, weniger Treffen, mehr Ausreden.

Schließlich endete es ohne Streit. Kein Drama. Nur ein stillschweigendes Einverständnis, dass wir nicht dieselbe Sprache sprachen.

Er wollte Geborgenheit, verpackt in Worte über Tradition.

Ich wollte Gleichberechtigung, die nicht hinter der verschlossenen Wohnungstür verschwand.

Und dann begriff ich, dass es nicht um Geld oder Putzen ging. Es ging um Grenzen. Und darum, wie viel Mut man braucht, um sie zu setzen, bevor es zu spät ist.

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