Ich hielt den Beutel näher an mich heran und zögerte einen Moment. Der absurde Gedanke schoss mir durch den Kopf, dass es sich um ein gefrorenes Stück Plastik aus der Verpackung handelte. Etwas, das versehentlich beim Verpacken hineingeraten war. Ich wollte es glauben.

Doch dann bemerkte ich ein Detail, das alles veränderte.

Das Stück hatte eine zarte Textur, nicht glatt wie Gemüse und nicht scharfkantig wie Plastik. Und als ich es mit einem Löffel leicht drehte, kam etwas zum Vorschein, das mir einen Schauer über den Rücken jagte. Eine kleine Wölbung. Und eine seltsam vertraute Form.

Ich zog sofort den Topf vom Herd, obwohl er noch nicht an war. Langsam und vorsichtig leerte ich den Beutelinhalt auf einen Teller, als hätte ich Angst, ihn zu berühren. Das Gemüse rollte an den Rand, und das leuchtende Stück blieb in der Mitte liegen.

Es war ein gefrorenes Tierteil.

Nicht der ganze Körper. Nichts Großes. Aber leuchtend genug, um keinen Zweifel zu lassen. Eine kleine Pfote. Mit winzigen Fingern. Mit Krallen.

Ich stand über der Küchentheke und spürte, wie sich mein Magen umdrehte. Mein erster Impuls war, zurückzuweichen, mein zweiter, alles wegzuwerfen, mein dritter, mich zu fragen, ob ich mir das alles nur einbildete. Doch die Realität war unerbittlich. Was ich erlebte, war kein Fehler der Natur, sondern ein Systemfehler.

Ich weiß nicht, wie lange ich dort stand. Minuten, vielleicht länger. Dann griff ich wie von selbst nach meinem Handy. Ich fotografierte den Inhalt des Tellers, die Verpackung mit Chargen- und Produktionsdatum und verschloss den Beutel sorgfältig in einem anderen. Meine Hände zitterten.

Die Hotline des Herstellers reagierte kühl und distanziert. Eine Entschuldigung, das Versprechen, der Sache nachzugehen, die Bitte, das Produkt zurückzusenden. Der Supermarkt bot eine Rückerstattung an. Doch niemand stellte die entscheidende Frage: Wie konnte so etwas in Lebensmittel gelangen, die für den menschlichen Verzehr bestimmt sind?

Ich aß an diesem Abend nichts. Und lange Zeit danach konnte ich den Gefrierschrank nicht öffnen, ohne dass mir dieses Bild in den Sinn kam. Seitdem überprüfe ich jeden Beutel, jede Verpackung, jedes „normale“ Lebensmittel.

Denn manchmal versteckt sich der Horror nicht in Filmen oder dunklen Gassen. Manchmal liegt er still und unerkannt zwischen Erbsen und Karotten und wartet darauf, von dir entdeckt zu werden.

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