Die verwöhnte Tochter eines Milliardärs stieß ihr Dienstmädchen in den Pool und lachte sie mit ihren Freundinnen aus. Sie ahnte nicht, was im nächsten Moment geschehen würde.

Die luxuriöse Villa am Stadtrand schien an diesem Abend ein Eigenleben zu führen. Laute Musik dröhnte vom Dach, wo sich ein riesiger Infinity-Pool mit Blick auf die Skyline befand. Goldene Lichterketten spiegelten sich wie tausend kleine Sonnen auf der Wasseroberfläche. Ariana, die einzige Tochter des Milliardärs Holland, stand inmitten des ganzen Glanzes – schön, egozentrisch, umgeben von einer Gruppe Mädchen, die ihr eher als Publikum denn als Freundinnen glichen.

Sie waren so erzogen worden, dass die Regeln nur für andere galten. Dass die Welt ihr Spielplatz war und die Menschen um sie herum nur Kulisse. Sie tranken Champagner, lachten lautstark und wetteiferten darum, wer das extravaganteste Video posten würde.

Marta, das Dienstmädchen, das seit fast zehn Jahren im Haus arbeitete, war an ihr Verhalten gewöhnt. Sie war es gewohnt, geneckt und herumkommandiert zu werden und nicht mit Namen angesprochen zu werden. Trotzdem erledigte sie ihre Arbeit stets gewissenhaft: Sie kümmerte sich um das Haus, half beim Kochen und bewegte sich leise mit einem Tablett voller Getränke zwischen den Gästen, als wäre sie unsichtbar.

Doch an diesem Abend hatte Ariana Lust, sich in Szene zu setzen.

„Marta“, rief sie mit singender Stimme, als das Dienstmädchen demütig mit dem Tablett herbeikam. „Du hast es zu spät gebracht. Schon wieder.“

„Entschuldige“, antwortete sie leise.

Dieses eine Wort löste Gelächter aus.

Eines der Mädchen kreischte: „Ariana, komm schon, zeig ihr, wie wir Spaß haben!“

Ariana nickte wie eine Königin, die den Vorschlag ihres Hofstaats annimmt.

„Kommt, schwimmt mit uns!“, rief sie laut, damit auch die Zuschauer ihren Spaß hatten.

Marta erstarrte. Sie war schon öfter am Pool gewesen und hatte ihn geputzt, aber sie war noch nie hineingegangen.

„Nein … bitte, nein. Ich kann nicht schwimmen“, flüsterte sie.

Ariana lächelte auf diese seltsame Weise, die Menschen zu Gesicht bekommen, wenn sie sich über Schwächere mächtig fühlen.

„Du kannst nicht? Dann lern es. Sofort.“

Und bevor Marta zurückweichen konnte, stieß Ariana sie heftig. Wasser spritzte, das Tablett mit den Getränken flog durch die Luft und landete auf den Fliesen.

Marta ertrank. Sie klammerte sich an den Beckenrand, rang nach Luft, die Augen vor Angst geweitet. Panik ergriff sie, ihre Hände glitten am nassen Beckenrand entlang. Ariana und ihre Freundinnen standen ein paar Schritte entfernt und lachten. Eine von ihnen filmte es sogar für den „perfekten viralen Moment“.

Marta sank mehrmals, kam jedes Mal etwas schwächer wieder hoch. Ihr Atem ging stoßweise, ihre Schreie wurden zu Flüstern. Die Mädchen amüsierten sich weiter.

Und dann geschah es.

Plötzlich, blitzschnell, wie etwas, das aus der Dunkelheit hervorschießt.

Ariana, die am nächsten am Beckenrand stand, wich ruckartig zurück, um dem Wassertropfen auszuweichen … und genau in diesem Moment ertönte ein Geräusch, das keiner von ihnen je zuvor gehört hatte.

Ein trockenes, scharfes Knacken.

Die Fliesen gaben unter ihrem Fuß nach.

Das Dach des alten Hauses war vor einem Monat als einsturzgefährdet gemeldet worden. Sie hatten es ignoriert. Reparaturen waren für nächste Woche geplant. Ariana wusste davon, ihr Vater hatte es beim Frühstück gesagt. Aber – wie immer – hatte sie nicht zugehört.

Ein Stück vom Dachrand brach ab.

Und Ariana war weg.

Niemand hatte Zeit zu schreien. Sie stürzte direkt in den tieferen Teil des Pools und schlug so heftig mit dem Kopf auf, dass sie einen Moment lang regungslos dastand. Ihre Freundinnen erstarrten. Einer von ihnen fiel das Handy ins Wasser.

Sie waren nicht die Ersten, die wieder zu sich kamen. Es war keine der Mädchen, die jahrelang behauptet hatten, Arianas beste Freundinnen zu sein.

Es war Marta.

Diejenige, die sie eben noch gedemütigt hatten. Diejenige, die nicht schwimmen konnte. Diejenige, die um ihr Leben kämpfte.

Trotzdem holte sie tief Luft, überwand ihre Angst, ließ den Rand los und stürzte sich auf Arianas leblosen Körper. Wasser spritzte ihr in die Augen, jede Bewegung war ein Kampf gegen ihre Panik, aber sie schwamm.

Die Mädchen am Rand schrien, eines weinte, ein anderes sah sich verwirrt um, auf der Suche nach jemandem, der helfen konnte. Doch Marta, obwohl sie selbst fast ertrank, erreichte Ariana und versuchte, sie auf den Rücken zu drehen.

Zum ersten Mal in ihrem Leben hatte das Dienstmädchen die Erbin berührt, anstatt ihr nur ein Handtuch oder ein Glas zu reichen. Jetzt hielt sie sie an den Schultern fest und versuchte, sie über Wasser zu halten.

Die Rettung hatte einige endlos lange Sekunden gedauert. Endlich hatten sie den Rand erreicht, und Marta hatte Arianas Körper nach oben gedrückt. Zwei der Mädchen hatten sie herausgezogen – zitternd, durchnässt, aber am Leben.

Als Ariana endlich schwach blinzelte, sah sie als Erstes nicht ihre Freundinnen.

Es war Martas Blick. Verängstigt, durchnässt, aber aufrichtig besorgt.

Ariana begriff alles auf einmal.

Sie begriff, dass ihre „Freundinnen“ nur schreiend danebengestanden hatten. Und dass die einzige Person, die sie ihr ganzes Leben lang ignoriert hatte, ihr das Leben gerettet hatte. Die Frau, deren Namen sie nicht kannte, die sie zum Aufräumen geschickt hatte, die sie vor allen anderen gedemütigt hatte.

Das Dienstmädchen, das sie ins Wasser gestoßen hatte.

Plötzlich war kein Hauch von Verachtung mehr in ihren Augen. Kein Stolz. Scham – eine tiefe, schmerzhafte, brennende Scham, die nichts zum Schweigen bringen konnte.

Die Mädchen um sie herum schwiegen. Niemand filmte mehr.

Ariana stand auf, ihre Beine zitterten, und sie machte einen Schritt auf Marta zu.

„Es tut mir leid“, sagte sie. Worte, die sie vor einer Minute noch nicht hätte aussprechen können.

Marta nickte nur leise und wandte den Blick ab.

In diesem Moment begriff Ariana, dass manche Dinge unwiderruflich sind. Dass manchmal nur eine einzige Sekunde braucht, um das Leben eines Menschen zu verändern.

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