Die Elefanten, die die Brücke bauten

Der Krankenwagen raste wie von Sinnen die Waldstraße entlang. Die zitternden Hände des Fahrers umklammerten das Lenkrad, sein Blick starrte auf die staubige Straße vor ihnen. Hinten auf der Trage lag ein Mann mit aschfahlem Gesicht. Ein Schlangenbiss, den er nur einen Augenblick lang gesehen hatte, hatte sein Leben innerhalb weniger Minuten in einen Kampf ums Überleben verwandelt. Dr. Martin saß neben ihm, die Finger an seiner Halsschlagader, und zählte seinen Herzschlag, der immer schwächer wurde.

„Wenn wir ihn nicht in fünfzehn Minuten ins Krankenhaus bringen und ihm sofort das Gegenmittel geben, verlieren wir ihn“, sagte Martin. Seine Stimme war ruhig, doch innerlich lief ihm ein Schauer über den Rücken.

Der Krankenwagen stand mitten im Nirgendwo auf einer Waldstraße. Ringsum nur dichtes Grün und Stille, die nur vom Summen der Insekten unterbrochen wurde. Vor wenigen Minuten hatten sie den Touristen bewusstlos gefunden. Von einer Schlange gebissen, wahrscheinlich einer Viper oder etwas viel Gefährlicherem, das hier nichts zu suchen hatte. Seine Haut wurde blass, sein Atem fiel ihm immer schwerer, und jede Minute konnte seine letzte sein.

Schwester Klara sah den Patienten an und fragte leise: „Wie lange haben wir noch bis zum nächsten Krankenhaus?“

„Mindestens dreißig Minuten“, antwortete der Fahrer Pavel, der gerade von der Karte zurückkam.

Der Arzt runzelte die Stirn. „Dann schaffen wir es nicht rechtzeitig.“

Es herrschte einige Sekunden Stille. Jeder wusste, was das bedeutete. Dreißig Minuten Fahrt, fünfzehn Minuten Zeit. Die Rechnung war unerbittlich. Da fiel Pavel etwas Wichtiges ein.

„Da ist eine alte Brücke über den Fluss. Wenn wir sie überqueren, könnten wir die Fahrt fast halbieren.“

Klara schüttelte sofort den Kopf. „Aber diese Brücke ist schon lange verlassen. Man sagt, sie hängt nur noch an einem seidenen Faden.“

„Ich weiß“, antwortete Pavel. „Aber es gibt keinen anderen Weg.“

Der Arzt sah den Patienten erneut an. Die Lippen des Mannes waren blau. Seine Atmung war flach. „Wir müssen ein Risiko eingehen“, sagte Martin. „Wenn wir den üblichen Weg nehmen, schaffen wir es definitiv nicht ins Krankenhaus.“

Pavel drehte den Zündschlüssel um. Der Motor heulte auf. Wenige Sekunden später ertönte erneut die Sirene, und der Wagen raste über die Savanne. Die Räder holperten über die Unebenheiten, die Ausrüstung im Krankenwagen klirrte und klapperte. Der Patient lag bewusstlos da. Sein Zustand verschlechterte sich buchstäblich vor ihren Augen.

Klára beobachtete die Instrumente. „Der Blutdruck sinkt“, verkündete sie. „Sein Körper gibt auf.“

Martin legte dem Mann die Hand auf die Brust. „Halt durch, Kumpel“, sagte er leise. „Nicht jetzt. Noch nicht.“

Pavel gab Gas. Die Landschaft zog vorbei. Bäume. Büsche. Trockenes Gras. Und dann öffnete sich vor ihnen ein breiter Fluss, der in der Nachmittagssonne glitzerte. Dieselbe alte Holzbrücke, von der er gesprochen hatte, führte darüber. Sie war schmal, ihre Planken von der Sonne gebleicht und vom Regen verwittert. Sie sah nicht so aus, als könnte sie einen Menschen tragen, geschweige denn einen schweren Krankenwagen.

Ein paar Elefanten tranken ruhig unweit des Ufers. Klára bemerkte sie als Erste.

„Was, wenn die Elefanten angreifen?“, fragte sie.

Pavel umklammerte das Lenkrad fester. „Hoffentlich schaffen wir es bald.“

Der Wagen raste weiter. Die Brücke kam mit jeder Sekunde näher. Die alten Planken sahen so abgenutzt aus, dass es ein Wunder war, dass sie überhaupt noch über Wasser waren. Martin blickte zurück zu dem Patienten. „Uns läuft die Zeit davon“, sagte er.

Pavel gab Gas. Der Krankenwagen fuhr auf die Brücke. Es knarrte. Die Planken gaben unter ihrem Gewicht nach. Doch gerade als die Vorderräder die ersten Planken in der Mitte der Brücke berührten, gab es einen lauten Knall. Das alte Holz konnte das Gewicht nicht tragen. Ein Balken brach, dann der nächste. Einen Augenblick später stürzte ein großes Brückenteil mit ohrenbetäubendem Krachen in den Fluss.

Pavel bremste abrupt. Der Wagen kam nur wenige Meter vom Loch entfernt zum Stehen. Alle im Wagen erstarrten.

„Nein“, flüsterte Klara.

Vor ihnen erstreckten sich nur noch Wasser und verstreute Bretter. Von der Brücke war nur noch der Rumpf übrig. Auf der anderen Flussseite führte die Straße zum Krankenhaus weiter. Es waren nur noch wenige hundert Meter. Doch es war unmöglich, dorthin zu gelangen.

Martin senkte den Kopf. Er sah den Patienten an. „Wir verlieren ihn“, sagte er. Seine Stimme klang leer.

Klara konnte ihre Tränen kaum zurückhalten. „Es muss einen anderen Weg geben“, sagte sie.

„Den gibt es nicht“, erwiderte Pavel. „Das war unsere einzige Chance.“

In diesem Moment hob einer der Elefanten den Kopf. Seine großen Ohren spreizten sich. Er blickte zum Krankenwagen, als ob er spürte, dass etwas Ungewöhnliches vor sich ging. Wenige Sekunden später bemerkten die anderen Mitglieder der Herde die Fahrzeuge. Die Elefanten hörten auf zu trinken. Sie hoben ihre Rüssel. Einen Moment lang herrschte eine Art stilles Gespräch unter ihnen.

Dann setzte sich die Herde langsam in Bewegung. Riesige Gestalten näherten sich langsam der Stelle, wo die Brücke eingestürzt war.

Pavel wurde blass. „Das ist alles, was uns noch fehlt“, sagte er nervös. „Erst die eingestürzte Brücke, jetzt die wütende Herde.“

Klára hielt sich die Hände vor den Mund. „Was soll ich nur tun?“, flüsterte sie.

Martin sagte nichts. Er beobachtete die Elefanten, die immer näher kamen. Es waren etwa zehn. Das größte Männchen war gewaltig. Seine Stoßzähne waren lang und gelblich. Er schritt mit einer Selbstsicherheit voran, die Respekt einflößte.

Die Elefanten erreichten die Stelle, wo die Brücke eingestürzt war. Sie blieben stehen. Sie blickten auf das Wasser. Sie blickten auf die Trümmer. Sie blickten auf den Krankenwagen am anderen Ufer.

Und dann taten sie etwas, das allen im Wagen den Atem raubte.

Das größte Männchen watete ins Wasser. Die anderen folgten ihm. Mit ihren Rüsseln griffen sie nach treibenden Brettern und Balken. Mit erstaunlicher Präzision zogen sie diese ans Ufer. Sie zerstörten sie nicht. Im Gegenteil. Sie begannen, sie übereinander zu stapeln. Ein Balken neben dem anderen.

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