Der Geburtstagsstreich, der ein Imperium ins Verderben stürzte**

Die Dachterrasse der Oligarchenvilla glitzerte wie ein Diamant über der Stadt. Sie war eine Bühne für die Elite, ein Spielplatz für die Erben von Vermögen, die auf Öl, Gas und undurchsichtigen Offshore-Konten aufgebaut waren. An diesem Abend stand Katerina Volkov im Mittelpunkt, die 23-jährige Tochter eines Mannes, dessen Reichtum sich nicht in Millionen, sondern in politischem Einfluss maß. Anlass war ihr Geburtstag, und die ungeschriebene Regel des Abends war einfach: Verehre die Gastgeberin oder gehe.

Katerina gehörte zu der Sorte Reiche, die sich Glück nicht erkaufte, sondern die Anerkennung anderer mietete. Sie hatte eine scharfe Zunge, ein stumpfes Gewissen und einen Freundeskreis, der ihr in nichts nachstand. Sie bewegten sich wie ein Rudel elegant gekleideter Wölfe, stets auf der Suche nach der schwächsten Gazelle, die sie aus der Herde reißen konnten. Die Party war in vollem Gange. Champagnergläser klirrten, eine Live-Jazzband spielte eine zurückhaltende Version eines anspruchsvollen Stücks, und der Infinity-Pool am Rande der Terrasse reflektierte die Lichter der Stadt wie ein schwarzer Spiegel.

Unter den Gästen in eleganten Anzügen und schimmernden Kleidern bewegte sich Eleanor. Sie war bewusst unsichtbar. Die erst drei Wochen zuvor eingestellte Haushälterin hatte die blasse Haut und die ruhige Haltung einer Frau, die im ländlichen Westen des Landes aufgewachsen war, wo die Winter lang und das Leben hart sind. Sie war nicht naiv, aber hoffnungsvoll. Sie brauchte diesen Job, um die Medikamente ihrer Mutter zu bezahlen. Schwimmen konnte sie nicht. Tatsächlich litt sie unter einer tiefen, lähmenden Phobie vor tiefem Wasser, einer Angst, die auf einen Unfall in ihrer Kindheit zurückging, als sie durch das Eis eines Flusses brach.

Während Eleanor mit einem silbernen Tablett voller Horsd’œuvres durch die Menge ging, lehnte Katerina gelangweilt am Marmorrand des Pools. Der anfängliche Ansturm der Geschenke hatte nachgelassen. Sie hatte einen weißen Porsche, eine Vintage-Uhr und ein Paar Diamantohrringe bekommen, doch die Wirkung des Dopamins ließ bereits nach. Ihre beste Freundin, eine Rothaarige namens Warja, spürte die Veränderung.

„Es ist etwas langweilig hier“, sagte Warja und wirbelte ihr Getränk herum. „Wir brauchen Unterhaltung.“

Katerinas Blick schweifte über die Terrasse. Er blieb an Eleanor hängen. Das Dienstmädchen versuchte, das Tablett zu balancieren und gleichzeitig den Spritzern einer Gruppe betrunkener Männer auszuweichen. Sie wirkte zerbrechlich. Sie wirkte verängstigt. Für Katerina war das kein Grund für Mitleid; es war eine Gelegenheit.

„Hey. Du. Der Geist“, rief Katerina und schnippte mit den Fingern.

Eleanor näherte sich vorsichtig. „Ja, Madam?“

„Wie heißen Sie? Irgendwas Langweiliges, nehme ich an.“

„Eleanor, Madam.“

„Eleanor“, ahmte Katerina sie mit spöttischer, hoher Stimme nach. Warja kicherte. „Eleanor, ich habe Geburtstag. Ich möchte dich schwimmen sehen.“

Eleanors Gesicht verlor jegliche Farbe. Sie schüttelte kaum merklich den Kopf. „Ich bitte um Verzeihung, Madam. Ich arbeite. Und … ich kann nicht schwimmen. Ich habe große Angst vor Wasser. Bitte.“

Das Geständnis war unverblümt und ehrlich. Es war die schonungslose Wahrheit. Und im räuberischen Ökosystem der Superreichen ist die Wahrheit nichts weiter als ein Köder. Katerinas Augen leuchteten auf. Sie sah Varya an. Sie tauschten einen stummen, grausamen Witz. Die anderen Gäste in der Nähe verstummten, als sie ein Spektakel witterten.

„Angst vor Wasser?“, lachte Katerina. „Das ist ja witzig. Bist du eine Katze?“

„Bitte, Madam“, flüsterte Eleanor und klammerte sich an das Tablett. „Ich könnte ertrinken.“

„Stell dich nicht so an“, sagte Katerina und trat näher. Der teure Duft der Erbin vermischte sich mit dem Chlorgeruch des Pools. „Hier sind es nur anderthalb Meter. Sie können stehen. Es ist ein Geschenk. Ich möchte, dass Sie mir ein Geschenk machen.“

Eleanor wich zurück, doch sie war zwischen dem Pool und einer Hecke aus exotischen Pflanzen eingeklemmt. Sie sah sich hilfesuchend um. Sie bemerkte die Blicke der anderen Gäste. Einige wirkten unbehaglich, aber niemand schien bereit einzugreifen. Sie alle waren Mieter in Katerinas Vaters Welt. Niemand wollte eine Kündigung riskieren.

„Ich verliere meinen Job, wenn ich nass werde“, versuchte Eleanor ein letztes Argument.

„Richtig“, lächelte Katerina. „Das werden Sie.“

Bevor Eleanor das Wort verarbeiten konnte, stürzte sich die Erbin auf sie. Es war kein Schubser. Es war ein Stoß, bewusst und brutal, beide Hände fest auf Eleanors Brust. Das Dienstmädchen flog zurück. Das silberne Tablett wirbelte wie ein befreiter Satellit in die Luft und verstreute Mini-Quiches und Kaviar-Blinis in den Nachthimmel. Eleanor landete mit einem Knall wie eine zugeknallte Tür im Wasser.

Der Platscher war gewaltig. Wasser ergoss sich über den Poolbereich und durchnässte die Säume von Designerkleidern und die Ledersohlen italienischer Loafer. Einen Moment lang herrschte Stille. Dann brach Gelächter aus. Katerina krümmte sich vor Schmerzen und hielt sich den Bauch. Varya kreischte vor Freude. Ein paar Jungen zückten ihre Handys und filmten die Szene für Snapchat. Sie erwarteten, dass Eleanor hustend, prustend, gedemütigt, aber lebend wieder auftauchen würde.

Sie warteten.

Zehn Sekunden vergingen. Das Wasser beruhigte sich und spiegelte die Discokugel darüber. Keine Spur von Eleanor.

Katerina wischte sich eine Träne ab.

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