Nicht nur durchnässt – er war auf eine unnatürliche Art schwer, die sofort instinktiv Angst auslöst. Als ich ihn über die Felsen zum Ufer schleppte, zitterten meine Hände, und mein einziger Gedanke war: Bitte, lass es nicht das sein, was ich befürchte.
Die Schlösser waren alt und rostig. Eines stand einen Spalt offen, als hätte Maya es gar nicht richtig geschlossen. Ich kniete mich hin, hielt den Atem an und hob den Deckel.
Da war keine Leiche drin.
Aber es war nicht weniger furchterregend.
Da waren Kindersachen.
Ein kleiner rosa Pullover. Ein Paar abgetragene Babyschuhe. Ein Stoffhase mit einem fehlenden Auge. Und darunter … eine Geburtsurkunde. Ich las den Namen zum ersten Mal – und in diesem Moment gaben meine Knie nach.
Es war der Name meiner Enkelin.
Das Kind, von dem Maya und mein Sohn mir jahrelang erzählt hatten, es sei tot geboren.
Ich saß durchnässt am See, unfähig mich zu bewegen, und langsam dämmerte mir eine Wahrheit, die schlimmer war als alles andere. Das Baby hatte existiert. Es lebte. Und jemand hatte versucht, jede Spur davon auszulöschen.
Im Koffer befanden sich auch medizinische Berichte – nicht von der Geburtsstation, sondern von der Kinderstation, mit Stempeln und Daten, die mehrere Monate nach der „Geburt“ zurückreichten. Und ganz unten, in eine Plastiktüte gewickelt, lag ein USB-Stick.
Ich habe die ganze Nacht kein Auge zugetan.
Am nächsten Tag ging ich direkt zur Polizei.
Die Ermittlungen brachten etwas ans Licht, das die ganze Familie erschütterte: Maya hatte ein gesundes Baby zur Welt gebracht, doch kurz darauf stellte sich heraus, dass das kleine Mädchen eine angeborene Behinderung hatte. Mein Sohn war zu dem Zeitpunkt im Ausland. Maya hatte beschlossen, dass ein solches Kind „nicht in“ ihr Leben „gehörte“. Mithilfe ihrer Kontakte im Krankenhaus täuschte sie den Tod eines Neugeborenen vor und brachte das Baby illegal in die Einrichtung, ohne jemanden zu informieren.
Der Koffer war kein Zufall.
Er war das Ende ihrer Tarnung.

Der USB-Stick enthielt Aufnahmen, E-Mails, Verträge. Beweise.
Heute wird Maya angeklagt.
Mein Sohn kennt die Wahrheit.
Und meine Enkelin?
Sie lebt.
Sie ist sieben Jahre alt. Sie hat dunkle Augen und liebt Stoffhasen.
Und jedes Mal, wenn ich an den braunen Koffer denke, der im See versinkt, wird mir eines klar: