Um sich an seiner Frau zu rächen, verkaufte der Ehemann seinen Hausanteil an den ersten Obdachlosen, dem er begegnete, und floh mit seiner Geliebten ans Meer.

Er war überzeugt, den perfekten Plan ausgeheckt zu haben. Doch er ahnte nicht, dass er mit diesem Schritt eine Kette von Ereignissen in Gang setzte, die ihm zum Verhängnis werden sollte.

Alles ging schnell, fast theatralisch. Der Ehemann öffnete die Tür, schob seine Frau beiseite und ließ mit einem widerwärtigen Grinsen einen hageren, untersetzten Mann in einer alten Jacke herein, der nach der Kälte der Straße roch.

„Darf ich vorstellen: unser neuer Mitbewohner“, sagte er mit gespielter Lässigkeit. „Er wohnt ab heute hier. Verpflegt ihn, kauft ihm Kleidung. Das Haus gehört jetzt ihm. Heiraten Sie ihn ruhig, ist mir egal.“

Die Frau erbleichte. Sie wusste nicht, ob das ein schlechter Scherz oder bittere Realität war. Erst gestern hatten sie noch gemeinsam am selben Tisch gefrühstückt. Erst gestern hatten sie über ihren Sohn und die Zukunft gesprochen. Und nun stand da ein Fremder, starrte auf den Boden und hielt eine Plastiktüte in der Hand.

„Ich habe dich satt“, fuhr der Ehemann kalt fort. „Ich habe jemand anderen gefunden. Jünger. Schöner. Ich habe mein ganzes Leben noch vor mir, also kannst du hier verrotten. Alles, was ich mir von dieser Ehe gewünscht habe, war ein Sohn, und der ist schon erwachsen.“

Er wartete keine Antwort ab. Er wusste, dass er rechtlich abgesichert war. Am Tag zuvor hatte er tatsächlich einen Vertrag abgeschlossen: Er verkaufte seine Hälfte des Hauses an „den Ersten, dem er begegnete“. Dieser Jemand war Viktor, ein obdachloser Supermarktangestellter, dem er im Tausch gegen seine Unterschrift eine Flasche Alkohol und ein paar Tausend Kronen angeboten hatte. Der Notar war ein Bekannter von ihm, alles ging schnell und ohne Fragen.

Der Ehemann war überzeugt, gewonnen zu haben. Seine Frau war nun rechtlich gezwungen, das Haus mit einem Fremden zu teilen. Er betrachtete es als die perfekte Rache. Er schloss die Tür, fuhr zum Flughafen und saß wenige Stunden später im Flugzeug, Hand in Hand mit seiner Geliebten, und träumte vom Meer, von Freiheit und einem neuen Leben.

Inzwischen war es still im Haus geworden.

Die Frau weinte nicht. Sie erhob nicht die Stimme. Sie kochte Tee, setzte Viktor an den Tisch und sah ihm zum ersten Mal in die Augen. Sie sah keine Bedrohung darin, nur Erschöpfung. Sie bot ihm eine Dusche, saubere Kleidung für seinen Sohn und eine warme Mahlzeit an. Viktor war verwirrt, aber dankbar.

Innerhalb weniger Tage bemerkte sie Details, die anderen entgangen wären. Viktor war überraschend höflich, eloquent, kannte sich mit dem Gesetz aus und hatte Narben, die nicht von der Straße stammten. Eines Abends gestand er ihr alles. Er war kein gewöhnlicher Obdachloser. Vor Jahren hatte er sein Geschäft durch Betrug seines Partners verloren. Er hatte vor Gericht alles verloren. Deshalb kannte er das Gesetz besser als so mancher Anwalt.

Die Frau verstand, dass ihr das Schicksal keine Strafe, sondern ein Werkzeug geschickt hatte.

Gemeinsam begannen sie zu verhandeln. Viktor war nicht nur Miteigentümer des Hauses, sondern kannte auch die Gesetzeslücken genau. Sie bereiteten Dokumente vor und sammelten Beweise für einen manipulierten Verkauf, Nötigung und die Misshandlung eines Obdachlosen. Gleichzeitig reichte die Ehefrau die Scheidung und eine Klage auf Nichtigerklärung des Ehevertrags ein.

Als der Ehemann nach einigen Monaten, gebräunt und selbstsicher, zurückkehrte, erwartete ihn Stille. Die Schlösser waren ausgetauscht worden. An der Tür hing eine Mitteilung des Gerichts, und sein Telefon war voller verpasster Anrufe von Anwälten.

Er musste feststellen, dass er nicht nur das Haus, sondern auch Geld, seinen Ruf und seinen Seelenfrieden verloren hatte. Der Vertrag wurde angefochten, sein Handeln als vorsätzlich und unethisch gebrandmarkt. Der Obdachlose, den er als Werkzeug der Rache betrachtet hatte, wurde zu einem wichtigen Zeugen gegen ihn.

Der Ehemann hatte seine Frau demütigen und zerstören wollen. Stattdessen zwang er sie, sich zu wehren, nachzudenken und zu handeln.

Und während er alles verlor, erlangte sie nicht nur ihr Haus, sondern auch ihre Würde zurück.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *