Der Freiluftmarkt war seit dem frühen Morgen in regem Treiben. Zwischen den Ständen mit abgetragener Kleidung, altem Werkzeug und Kisten voller Dinge, die einst jemandem gehört hatten, herrschte ein ständiges Stimmengewirr. Die Händler priesen lautstark ihre Waren an, Metall klirrte an Metall, und die Luft war schwer von Staub und dem Geruch billiger Lebensmittel.
Mitten in diesem Getümmel stand ein Mann in einer Arbeitsweste. Vor ihm stand ein Metallkäfig. Darin saßen zwei Hunde.
Es waren keine Welpen. Nicht einmal reinrassige. Es waren ganz normale Mischlinge, die Art, um die sich die meisten Leute nicht kümmern. Der ältere Hund hatte graue Haare um die Schnauze und einen wachsamen, misstrauischen Blick. Der jüngere Hund war dünner und kauerte eng an dem älteren, als wagte er keinen einzigen Schritt allein.
Der Mann hatte ein Pappschild mit der Aufschrift „Zu verkaufen“ an die Gitterstäbe gebunden. Er wusste genau: Er würde sie nicht lange behalten. Solche Hunde würden immer einen Käufer finden. Die Frage war nur, welchen.
Die Hunde saßen still da. Der ältere hob ab und zu den Kopf und beobachtete die vorbeigehenden Menschen. Der jüngere wich keinen Augenblick zurück.
Gegen Mittag blieb ein Obdachloser vor dem Käfig stehen.
Er trug eine schmutzige Jacke, abgetragene Schuhe und einen grauen Bart. In seinen Augen lag der Blick eines Mannes, der längst aufgehört hatte, auf Glück zu hoffen. Er wollte nicht feilschen. Er fragte weder nach der Herkunft noch nach dem Alter der Hunde. Er stand einfach nur schweigend da und beobachtete.
Nach einer Weile fragte er leise nach dem Preis.
Der Verkäufer lächelte kurz. Er verstand sofort. Er kannte solche Leute. Sie sehen arm aus, erwecken Mitleid, aber in Wirklichkeit kaufen sie billig ein und verkaufen teuer weiter. Sie nutzen die Gefühle anderer aus. Deshalb nannte der Mann einen fast symbolischen Betrag. Er wollte die Hunde schnell loswerden.
Der Obdachlose begann, in seinen Taschen zu kramen. Er zog zerknitterte Geldscheine heraus, zählte sie mehrmals und gab Wechselgeld dazu. Es war sein gesamtes Geld. Der Verkäufer bemerkte es und bestätigte innerlich nur seine Vermutung. Er war überzeugt, die Hunde sofort zu verkaufen. Seiner Meinung nach bereuten solche Leute ihr Bedauern nur in Worten.

Der Laden wurde geschlossen. Käfig und Leinen wechselten den Besitzer. Der Obdachlose bedankte sich, senkte den Kopf und ging, ohne sich umzudrehen.
Einige Stunden vergingen. Der Markt leerte sich langsam. Die Stände schlossen, die Leute gingen. Der Verkäufer packte gerade seine Sachen zusammen, als er hinter dem Parkplatz, bei den alten Lieferwagen, eine vertraute Silhouette bemerkte.
Es war der Obdachlose.
Irgendetwas ließ ihn näherkommen. Vielleicht Neugier. Vielleicht eine Unruhe, die er nicht benennen konnte.
Und dann sah er es.
Die Hunde waren nicht in einem Käfig. Sie waren nicht einmal angeleint. Sie lagen neben dem Mann auf einer alten Decke. Der Obdachlose hatte ihnen ein Stück Brot und seine letzten Essensreste gegeben. Der ältere Hund lag still da, der jüngere schlief mit dem Kopf auf seinem Bein. Der Mann zog seine Jacke aus und deckte sie zu, obwohl er selbst fror.
Es gab keinen Verkauf. Keinen Tausch. Kein Geschäft.
Der Mann kaufte mit seinem letzten Geld keine Waren. Er kaufte Gefährten. Nicht um mit ihnen Geld zu verdienen, sondern damit er nicht allein mit ihnen war. Damit sie nicht allein waren.
Der Verkäufer erstarrte. Plötzlich begriff er, wie leicht man urteilen kann und wie schwer es ist, einen Fehler einzugestehen. Die Hunde, die er für wertlos gehalten hatte, hatten ein Zuhause gefunden. Nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern etwas oft Wertvolleres – jemand, der sie nicht verließ.
Und diese Erkenntnis traf ihn härter, als er es je zugeben würde.