…geht zur Tür.

Der Küchengang ist schmal, zwischen Tabletts mit Zwiebeln und vergänglichen Hoffnungen hindurchgezogen. Ein paar Angestellte meiden dich, die Blicke gesenkt, als wüssten sie etwas, das besser im Schlaf bleibt.

Doch Daniel ist ein Mann, der noch nie tief und fest geschlafen hat.

Jenna steht mit dem Rücken zu ihm, die Hände in warmem Wasser, und tut so, als würde sie das Besteck spülen, doch ihre Finger zittern. Sie blickt über die Schulter, nur einen Augenblick lang. Das genügt. Daniel sieht alles.

„Nicht hier“, flüstert sie, ohne die Lippen zu bewegen.

Er nickt aus dem Augenwinkel.

Manager Bryce steht auf der anderen Seite der Küche, an die Theke gelehnt, mit der Selbstgefälligkeit eines Mannes, der schon lange Gefallen am Scheitern anderer gefunden hat. Er steht jetzt am Spülbecken, näher an Jenna, als es professionell vertretbar ist. Sie rührt sich nicht. Es ist, als hätte sie gelernt, mit minimalem Sauerstoff auszukommen.

Daniel beobachtet die Szene, als sähe er durch einen Nebelfilter. Jedes Detail ist wie eine Notiz, die er sich macht:

  • Unbeschriftete Kisten an der Hintertür
  • Leere Kameras über dem Gefrierschrank
  • Ein viel zu schwerer Umschlag, der aus Bryces Tasche hervorlugt
  • Müde Angestellte, die sich nicht trauen, etwas zu sagen

Es ist ein Muster. Er kennt es auswendig.

Er reicht Jenna einen schmutzigen Teller, um näher an sie heranzukommen. Eine leise, alltägliche Bewegung, die niemandem etwas bedeutet.

„Wo?“, murmelt er mit geschlossenen Lippen.

„Draußen vor dem Gebäude“, sagt er kaum hörbar. „Dreizehn Minuten.“

Mehr Zeit bleibt nicht. Bryce dreht sich um, sein Gesicht verzieht sich zu einem Lächeln, das alles andere als freundlich ist.

„Verlässt unser Gast das Gebäude?“, fragt Bryce. „Ich hoffe, es hat Ihnen gefallen. Ich habe gehört, es hat Ihnen gefallen.“

Daniel behält einen völlig neutralen Gesichtsausdruck.

„Es war informativ“, sagt er. „Wie immer.“

Bryce lacht. Das Lachen klingt schrill, künstlich und hängt wie der Geruch von altem Öl in der Luft. „Ausgezeichnet. Ich hoffe, Sie kommen bald wieder. Wir freuen uns immer über Stammgäste.“

„Schreiben Sie das auf“, sagt Daniel leise.

Und er geht weg. Aber nicht weit.

Der hintere Teil des Restaurants ist dunkel, nicht einmal das Licht der Straßenlaternen erhellt ihn. Hinten riecht es immer anders als vorne. Nicht wirklich. Nicht sicher. Aber wahr.

Das Geräusch der Lüftung übertönt das leise Flüstern, als sich die Hintertür langsam öffnet.

Jenna tritt heraus.

Ihr Dutt ist nicht mehr fest. Ein paar Strähnen fallen ihr ins Gesicht. Ihre Hände stecken in den Taschen ihrer Schürze, als wolle sie sich vor der Kälte – oder vor der Welt – verstecken.

„Danke fürs Kommen“, sagt sie leise. „Ich hatte sonst niemanden.“

Daniel lehnt sich leicht an die Wand. Er hat es nicht eilig. Er will alles hören, aber er will sie nicht bedrängen.

„Was ist los, Jenna?“

Sie holt tief Luft. Kurz schließt sie die Augen, als müsse sie sich entscheiden, ob sie es wagen soll, das Schweigen zu brechen, das ihr Leben verändern könnte.

„Der Manager klaut“, sagt sie schließlich. „Und er benutzt uns, um sich abzusichern. Er versetzt die Angestellten je nachdem, wer schweigt. Und wer nicht … den verärgert er dann. Er …“

Sie hält inne. Schluckt.

„Er hat mich nicht gefeuert. Er behält mich. Verstehst du?“ Ihre Stimme bricht. „Und wenn ich normal reden würde, würde er sagen, ich hätte es auf eigene Faust getan. Dass ich lüge. Und alle würden ihm glauben. Weil ich ja nur eine Kellnerin bin. Und er ist derjenige, der von der Zentrale geschickt wurde, um die Sache zu regeln.“

Daniel beobachtet sie einen Moment lang. Er sieht etwas in ihr, das er schon hundertmal bei Leuten gesehen hat, die das Geschäft über Wasser gehalten haben, während andere es ruiniert haben.

„Warum ich?“, fragt er.

Jenna schüttelt den Kopf. „Weil ich weiß, wer du bist“, flüstert sie. „Ich habe dein Foto in der Zentrale gesehen. Ich habe nur auf jemanden gewartet, dem ich vertrauen kann.“

Daniel rückt seine Kappe zurecht. Seine Geste zeugt von Entschlossenheit, die keiner Worte bedarf.

„Okay“, sagt er ruhig. „Dann führ mich.“

„Wohin?“, haucht Jenna.

„Zurück dorthin, wo alles begann. Ins Lager. Zu den Akten. Zur Wahrheit.“

Ihre Augen weiten sich. „Das kannst du nicht tun. Bryce …“

„Wenn du Recht hast“, unterbricht Daniel sie sanft, „dann hatte ich keine Wahl.“

Und dann verschwinden beide in der Dunkelheit, das Neonlicht über der Bar blinkt warnend.

Die Nacht ist noch nicht vorbei. Und die Wahrheit fängt gerade erst an.

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