Der Gefängnisdirektor hatte eine junge Wärterin über Nacht in eine Zelle mit den gefährlichsten Gefangenen gesperrt, um sie zu bestrafen. Doch als am Morgen die Zelle geöffnet wurde, erstarrten alle. Was sie sahen, schockierte selbst die Erfahrensten.

Das Gefängnis wirkte von außen wie ein Ort strenger Ordnung. Doch drinnen herrschten Chaos, Angst und ungeschriebene Gesetze, die nicht von Gesetzen, sondern von den Stärksten – und manchmal auch den Gemeinesten – aufgestellt wurden. Anna, eine neue Wärterin voller Ideale, ahnte nicht, wie sehr die Regeln von der Realität abwichen.

Zuerst glaubte sie, dass alles nach den Regeln korrekt ablaufen könne. Dass jeder Rechte habe – selbst Häftlinge. Sie war jung, scharfsinnig und gerecht. Doch genau diese Eigenschaften wurden im Gefängnis zu ihrer Zielscheibe.

Als sie eines Tages sah, wie ein älterer Wärter eine Gefangene mit einem Schlagstock schlug, die sich nicht mehr wehren konnte, konnte sie die Augen nicht schließen. Sie schrie. Sie hielt ihn auf. Und damit besiegelte sie ihr eigenes Schicksal.

Am nächsten Tag erstattete sie Anzeige. Das Gefängnis war gezwungen zu handeln – und so wurde der alte Gefängnisdirektor bestraft. Doch die wahre Macht lag nicht bei dem alten Mann in Uniform, sondern beim Gefängnisdirektor. Er hatte seine eigenen Regeln, seine eigenen Vorstellungen von „Loyalität“.

Als er sie in sein Büro rief, weigerte er sich, ihr einen Stuhl anzubieten. Sie setzte sich selbst, doch sobald sie die Lehne berührte, schlug seine Faust auf den Schreibtisch.

„Also, eine Heldin. Einfach so. Sie glauben, Sie können hierherkommen und etwas ändern?“

Anna schluckte schwer.

„Ich habe nur meine Pflicht getan.“

„Sie sollen tun, was ich Ihnen hier sage“, knurrte er. „Und wenn Sie so verzweifelt gerecht sein wollen … dann versuchen Sie es doch mal an der Wurzel der Gerechtigkeit.“

Sein Blick war hart wie Stahl.

„Sie werden die Nacht in Zelle zwölf verbringen. Bei den Schlimmsten. Bei denen, die ihre eigenen Familien getötet haben. Wollen Sie sie beschützen? Dann sehen Sie, was in ihnen steckt.“

„Das könnt ihr nicht …“, begann Anna.

„Doch, ich kann. Und ich werde es tun.“

Die beiden Wärter führten sie den Flur entlang, ihre Blicke gesenkt. Niemand wagte es, dem Befehl des Gefängnisdirektors zu widersprechen. Sie schlossen sie hinter einer schweren Metalltür ein, und als der Schlüssel im Schloss gedreht wurde, schien es, als ob sich die Welt um sie herum endgültig geschlossen hätte.

Zelle Nummer 12 war dunkel. Drei Gefangene, im ganzen Gefängnis für ihre Brutalität bekannt, saßen in der Ecke. Sie flüsterten, doch als die Tür ins Schloss fiel, richteten sich ihre Blicke auf Anna.

Sie erstarrte. Ihr Herz hämmerte ihr bis zum Hals.

Sie hatte keinen Angriff erwartet. Sie hatte gar nichts erwartet. Nur Schmerzen. Das Ende.

Doch die ersten Minuten vergingen in Stille. Niemand rührte sich. Nur einer der Gefangenen, ein Mann mit einer Narbe im Gesicht, stand langsam auf. Anna wich von der Wand zurück.

„Du hast diesen Bastard gestoppt“, sagte er mit tiefer Stimme.

Anna holte tief Luft, gab aber keinen Laut von sich.

Der Mann nickte.

„Wir haben es gesehen. Der ganze Flur hat es gehört.“

Ein anderer Gefangener fügte hinzu:

„Niemand hat hier je etwas für uns getan. Niemand. Nur du.“

Und in diesem Moment geschah etwas, das sie sich in ihren kühnsten Träumen nicht hätte vorstellen können.

Die Gefangenen erhoben sich nicht, um ihr wehzutun.

Sie stellten sich vor sie. Wie ein Schutzschild.

Während sie einschlief, hörte sie ihre leisen Gespräche. Niemand berührte sie. Sie sagten kein einziges Wort, um sie zu demütigen. Einer deckte sie sogar mit einer Decke zu, die sie nach sechsmonatigen Verhandlungen erhalten hatten. Und der dritte Wärter bewachte die ganze Nacht die Tür und passte auf, dass niemand von draußen sie störte.

Die Nacht war still. Nicht beängstigend. Nur seltsam still.

Und als die Wachen am Morgen die Tür öffneten, erwarteten sie eine gebrochene, gedemütigte Frau vorzufinden, die flehte, freigelassen zu werden. Sie malten sich das Schlimmste aus.

Doch als sich die Tür öffnete, herrschte Totenstille.

Anna stand mitten in der Zelle, fest und ruhig. Um sie herum drei Gefangene – sie beschützten sie, standen wie Mauern. Niemand rührte sie an. Sie hatte niemandem etwas getan. Es waren ihre Wachen.

Der Gefängnisdirektor wurde rot.

„Was soll das heißen?!“, schrie er.

Scar, der Gefangene mit dem schlechtesten Ruf, trat vor.

„Es bedeutet, dass sich das ganze Gefängnis gegen Sie wenden wird, sollte ihr etwas zustoßen“, sagte er kalt. „Sie ist die Einzige hier, die sich wie ein Mensch verhält.“

Die Wachen wichen zurück.

Und in diesem Moment änderte sich alles.

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