Ich hatte das Gefühl, mein Mann würde mir heimlich Schlaftabletten in den Tee mischen, und eines Tages beschloss ich, so zu tun, als würde ich schlafen, um zu sehen, was er tat, während ich bewusstlos war.

In den letzten Wochen hatte sich mein Leben langsam in einen Albtraum verwandelt. Ich wachte morgens mit einem leeren Kopf, extremer Schwäche und totaler Erschöpfung auf. Es war kein normaler Schlaf, sondern eher das Gefühl, als hätte mich jemand über Nacht ausgeschaltet. Meine Gedächtnislücken wurden immer schlimmer. Manchmal konnte ich mich nicht einmal mehr erinnern, wie ich in mein Nachthemd oder ins Bett gekommen war. Ich schob es auf den Stress im Job, aber eine Sache ließ mich an allem zweifeln.

Es war der Tee, den mir mein Mann jeden Abend brachte.

Er behauptete, er würde mir beim Entspannen helfen, sei gut für meine Nerven und ich solle ihn regelmäßig trinken. Und jedes Mal, wenn ich ihn trank, begann mein Bewusstsein langsam zu schwinden, als hätte jemand die Lautstärke eines Radios so weit heruntergedreht, bis nur noch Stille herrschte. Ich bekam Angst. Mein Bauchgefühl sagte mir, dass dies kein gewöhnlicher Kräutertee war.

Also beschloss ich, die Wahrheit selbst herauszufinden.

An diesem Abend setzte ich mich aufs Sofa, nahm die Tasse Tee und lächelte meinen Mann an. Er beobachtete mich, als würde er darauf warten, dass ich trank. Als er sich umdrehte, goss ich den Tee unauffällig in den Blumentopf. Dann setzte ich die leere Tasse an die Lippen, damit er sehen konnte, dass ich „trank“.

Nach einer halben Stunde sagte ich, ich sei müde. Er begleitete mich ins Schlafzimmer, küsste meine Stirn und wünschte mir eine gute Nacht. Er wartete, bis sich meine Atmung beruhigt hatte, und drehte sich dann auf seine Seite des Bettes. Ich lag da mit geschlossenen Augen, doch innerlich schlief ich nur vor Angst.

Die Stunden vergingen. Nichts geschah. Ich verlor den Glauben daran, dass etwas passieren würde. Ich fürchtete sogar, paranoid zu sein und mir Probleme einzubilden, die gar nicht existierten.

Doch gegen vier Uhr morgens drehte sich mein Mann plötzlich um.

Er lag auf der Seite und beobachtete mich. Lange. Zu lange. Sein Blick war seltsam – nicht sanft, vertraut und liebevoll, sondern kalt und konzentriert. Als säße er am Bett eines Menschen, der ihn nicht bemerkte.

Dann setzte er sich langsam auf, stand leise auf und ging ins Badezimmer.

Mein Herz hämmerte so heftig, dass ich sicher war, er konnte es hören. Fünf Minuten. Sieben Minuten. Zehn Minuten. Und dann kam er zurück.

Ich öffnete die Augen nur einen Spalt breit, sodass man einen kaum sichtbaren Riss zwischen meinen Wimpern erkennen konnte.

Er trug schwarze Gummihandschuhe.

In seiner Hand hielt er eine kleine, scharfe Metallschere, wie man sie zum Nähen benutzt.

Er näherte sich mir leise, wie ein Profi. Und ohne zu zögern schnitt er die Vorderseite meiner Bluse auf. Jeder Schnitt der Schere war präzise. Ich atmete langsam, obwohl mein ganzer Körper vor Angst zitterte.

Als sich der Stoff löste, holte er sein Handy heraus und begann, Fotos von mir zu machen. Ein Foto nach dem anderen. Aus verschiedenen Winkeln. Geduldig. Sorgfältig. Jedes Foto war mit der Sorgfalt eines Profis gespeichert.

Dann wandte er sich dem Laptop zu, der schon länger auf seinem Nachttisch stand. Er stand dort oft nachts, aber ich hatte nie gesehen, was er damit machte. Heute hatte ich zum ersten Mal die Gelegenheit dazu. Sein Gesicht blieb vollkommen ruhig, als würde er gewöhnliche Büroarbeiten erledigen. Seine Finger tippten dabei unentwegt über die Tastatur.

Ich wollte aufstehen, schreien, weglaufen – doch die Angst hielt mich ans Bett gefesselt. Ich wusste, wenn er merkte, dass ich wach war, würde nichts Gutes passieren.

Nach ein paar Minuten klappte er den Laptop zu. Er zog seine Handschuhe aus. Er beugte sich so nah zu mir, dass ich seinen Atem an meinem Ohr spürte, und flüsterte leise:

„Schlaf gut, Liebling.“

Dann schnappte er sich seine Jacke und ging. Die Schlafzimmertür fiel ins Schloss, und ein paar Sekunden später hörte ich, wie das Schloss einrastete. Er hatte mich von innen eingeschlossen.

Erst als es im Haus still war, richtete ich mich abrupt auf. Meine Brust hob und senkte sich rasend schnell, meine Hände zitterten, und mein Magen fühlte sich an, als hätte ich einen Stein verschluckt. Ich öffnete den Laptop. Mein Mann hatte ihn mit einem Passwort gesperrt, aber über die Jahre hatte ich seine Muster, seine Lieblingswörter, seine einfachsten Kombinationen gelernt. Er war nicht so vorsichtig, wie er dachte.

Ich wählte die erste Option.

Das Passwort öffnete sich.

Und ich sah alles.

Eine Galerie mit Fotos. Dutzende. Vielleicht Hunderte.

Einige waren Wochen alt. Ich hatte darauf geschlafen. Dachte ich zumindest. Ich war fast nackt. Hier und da war ich zurechtgemacht, ein anderes Bett war gerückt worden. Jede Nacht war dokumentiert. Jeder seiner „Tees“ bedeutete ein weiteres Foto.

Und eine weitere Seite hatte sich in der Browserleiste geöffnet.

Ein Online-Forum, von dem ich noch nie etwas gewusst hatte.

Ein Beitrag mit dem Titel:
„Neues Projekt: Meine Frau, Experiment Nummer Vier.“

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