Es war ein langer Tag gewesen, und alles, was ich wollte, war nach Hause zu kommen, heiß zu duschen und endlich abzuschalten. Der Regen hatte erst vor wenigen Minuten aufgehört, doch der Asphalt glänzte noch nass, und ein dünner Nebel zog in beweglichen Schleiern über die Fahrbahn. Die Scheinwerfer meines Wagens schnitten durch die Dunkelheit, aber es blieb dieses unangenehme Gefühl, dass der Wald die Straße verschlang und jeden Lichtstrahl verschluckte.
Ich war allein. Zumindest glaubte ich das.
Als die Straße eine leichte Biegung machte, sah ich plötzlich etwas Helles auf dem Boden liegen. Es war kein Tier, kein Ast, sondern ein kleiner, merkwürdig geformter Gegenstand, der überhaupt nicht in diese verlassene Umgebung passte. Instinktiv trat ich auf die Bremse. Der Wagen ruckte, die Reifen glitten kurz über den feuchten Asphalt, bevor der Wagen zum Stehen kam.
Ein kurzer Moment völliger Stille folgte. Ich lauschte. Kein Motorgeräusch außer dem leisen Knacken des abkühlenden Metalls. Kein Wind, keine Tierlaute. Nur mein eigener Atem, der plötzlich viel lauter klang als sonst.
Ich stieg aus.

Die Luft draußen war kühl und roch nach nassem Laub. Meine Schritte hallten seltsam in der Stille. Als ich näher an das Objekt heranging, erkannte ich, dass es eine Puppe war. Eine alte Puppe, vielleicht zwanzig Zentimeter groß, mit blassem Gesicht, dunklem Haar und merkwürdig klaren Glasaugen. Der überraschend saubere Zustand irritierte mich sofort. Es war eine regnerische Nacht gewesen, und trotzdem lag sie da, als hätte sie jemand gerade erst hingelegt.
Ich kniete mich hin und sah genauer hin. Die Kleidung war altmodisch, wie aus einer längst vergangenen Zeit. Ein kleiner, blauer Stoffmantel, ein zerschlissenes Kleid darunter, winzige Schuhe mit abgeblätterter Farbe. Und dennoch – kein Schmutz, keine Erde, kein Wasser. Als wäre die Puppe behütet worden, obwohl sie mitten auf einer Waldstraße lag.
Ich streckte meine Hand aus, um sie aufzuheben.
In dem Moment, in dem meine Finger den Stoff berührten, spürte ich eine seltsame Starre in mir aufsteigen. Nicht aus Angst, sondern aus einer Art instinktivem Widerstand. Ich hob die Puppe langsam an, und genau in der Sekunde, in der sie den Boden verließ, geschah etwas, das mein Herz für einen Schlag aussetzten ließ.
Die Puppe bewegte sich.
Ihre Arme zuckten. Nicht viel, aber genug, um jeden normalen Menschen zurückschrecken zu lassen. Ich warf sie vor Schreck fast zu Boden, doch sie lag einfach wieder still dort, als wäre nichts gewesen. Mein Verstand kämpfte sofort gegen das, was ich gerade gesehen hatte. Konnte es ein Reflex sein? Ein Faden? Ein Windstoß? Ein Muskelzucken in meiner Hand?
Aber da war kein Wind. Und da war kein Faden.
Ich richtete mich langsam auf. Etwas in der Atmosphäre hatte sich verändert. Der Wald war nicht nur still, sondern unnatürlich still. Ich hatte plötzlich das Gefühl, nicht mehr allein zu sein – nicht, weil jemand vor mir war, sondern weil jemand hinter mir stand.
Es war ein brennendes Gefühl im Rücken, dieses instinktive, uralte Warnsignal, das jeder Mensch kennt, wenn ihn jemand aus dem Schatten beobachtet. Ich drehte mich nicht sofort um. Vielleicht aus Angst, vielleicht aus der absurden Hoffnung, dass es nichts als meine Fantasie war.
Schließlich zwang ich mich, mich umzudrehen.
Doch hinter mir war nichts. Nur die leere, dunkle Straße, die in beiden Richtungen im Nebel verschwand. Ich stand allein, mitten in der Nacht, mit einer Puppe zu meinen Füßen und dem Gefühl, dass mich etwas Unsichtbares aus der Ferne beobachtete.
Ich wollte zurück ins Auto steigen, doch bevor ich auch nur einen Schritt machen konnte, bemerkte ich etwas Erschreckendes. Die Position der Puppe hatte sich verändert. Nicht viel – aber der Kopf lag nun leicht zur Seite gedreht, als würde sie mich anschauen. Ich hatte sie vorhin gerade abgelegt, daran erinnerte ich mich genau.
Für einen Moment blieb ich wie versteinert stehen. Ich hatte keine logische Erklärung, und das war das Beunruhigendste. Mein Instinkt schrie mich an, sofort zu gehen, aber die Neugier und der Zweifel hielten mich fest.