Seine Rotoren schlugen gegen die dünne Luft wie ein mechanisches Herz. Unten breitete sich die Landschaft in ungebändigter Pracht aus – zerklüftete Gipfel, noch bedeckt mit dem Schnee des späten Frühlings, dichte Wälder, die nie die Last von Baumaschinen gespürt hatten, und der Gletschersee, der den Himmel so perfekt spiegelte, dass er weniger wie Wasser und mehr wie ein zweiter Himmel auf Erden wirkte.
In der Kabine herrschte alles andere als himmlische Atmosphäre.
Kate Morrison hing mit einer Hand am Türrahmen, ihr Körper peitschte im Luftstrom wie eine Fahne im Hurrikan. Der Metallgriff war glitschig von ihrem Schweiß, und jeder Muskel in ihrer Schulter schrie vor Schmerz – die besondere Qual eines Gelenks, das ein Gewicht tragen musste, für das es nie geschaffen war. Ihre Stiefel schlugen nutzlos gegen die Leere und stießen auf nichts als rauschende Luft.
„Zieht mich hoch!“, schrie sie, ihre Stimme kaum hörbar über dem Motorenlärm. „Ich habe keinen Fallschirm!“
Sergeant Marcus Webb blickte mit theatralischer Besorgnis auf sie herab, wie man sie von Schulhofschlägern kennt, die gerade jemandes Sachen versteckt haben und die Reaktion genüsslich auskosten. Seit sechs Jahren war er der inoffizielle König dieser Basis. Seine Autorität beruhte nicht auf seinem Rang, sondern auf der simplen, primitiven Mathematik der Einschüchterung. Neben ihm wechselten Gefreiter Derek Holloway und Korporal James Ruiz Blicke, die weder Alarm noch Dringlichkeit noch irgendeine Spur von Menschlichkeit verrieten.
„Entspann dich, Heldin“, sagte Webb mit der lässigen Stimme eines völlig entspannten Menschen. „Dir wird nichts passieren.“
Er kniete sich hin, nicht um ihr zu helfen, sondern um sein Gesicht näher an ihres zu bringen. So hatte er besseren Blick auf das Geschehen. Kates Finger begannen abzurutschen, die Haut löste sich Millimeter für Millimeter vom kalten Metall.
„Bitte“, keuchte sie. „Ich flehe dich an.“
Ruiz trat vor. Einen kurzen Augenblick lang glaubte Kate, er wolle nach ihrem Arm greifen. Stattdessen traf sein Stiefel ihre Knöchel – ein präziser, geübter Schlag, der einen Schmerzstoß durch ihren Unterarm jagte. Ihr Griff löste sich vollständig.
Das Letzte, was sie sah, bevor der Himmel sie verschluckte, war Webbs Lächeln.
Dann stürzte sie.
Der menschliche Körper beschleunigt im freien Fall mit 9,8 Metern pro Sekunde zum Quadrat, doch dieses Erlebnis lässt sich nicht mathematisch beschreiben. Kate spürte, wie die Welt zu einem verschwommenen Fleck aus Farben und Wind verschwamm, ihre Uniform knallte mit solcher Wucht gegen ihre Haut, dass sie blaue Flecken hinterließ. Der See raste auf sie zu wie eine polierte Obsidianplatte, und ein ferner, analytischer Teil ihres Gehirns berechnete mit der kalten Präzision ihrer Ausbildung an der Akademie Aufprallzeiten und Überlebenschancen. Die Chancen standen schlecht.
Aber Kate Morrison hatte ihren Abschluss nicht als Jahrgangsbeste gemacht, indem sie schlechte Chancen akzeptierte.
Sie zwang ihren Körper in eine stabile Position, die Arme ausgebreitet, die Beine leicht gebeugt – die Haltung einer Fallschirmspringerin, die das schon tausendmal gemacht hatte. Der Unterschied: Fallschirmspringer dachten normalerweise daran, einen Fallschirm zu tragen. Blitzschnell scannte sie das Gelände unter sich, wie ein Scharfschütze sein Ziel erfasst. Der See war ihre einzige Option. Die Bäume würden sie zerreißen. Die Felsen würden alles sofort beenden. Wasser war aus dieser Höhe nur geringfügig nachgiebiger als Beton, aber dieses geringfügige Maß wollte sie ausnutzen.
Sie steuerte ihren Abstieg und richtete ihren Körper so aus, dass sie auf die tiefste Stelle des Sees zusteuerte. Die Wasseroberfläche wuchs unfassbar schnell, bis sie ihr gesamtes Sichtfeld ausfüllte. Ihr blieben vielleicht noch drei Sekunden bei Bewusstsein.

Drei Sekunden, um zu entscheiden, wie sie ins Wasser eintauchen sollte.
Sie entschied sich für die Landung mit den Füßen voran, den Körper steif, die Arme vor der Brust verschränkt – die Position, die Taucher bei Sprüngen aus großer Höhe einnehmen. Das Militär hatte sie für Wasserlandungen trainiert. Niemand hatte ihr jemals vorgeschlagen, einen Sprung aus Hubschrauberhöhe ohne Fallschirm zu absolvieren, doch das Training war vorhanden, tief in der Muskelroutine verankert und wartete nur darauf, abgerufen zu werden.
Der Aufprall war nicht wie ein Aufprall auf Wasser.
Es war, als würde sie gegen eine Wand aus flüssigem Donner prallen.
Die Kälte raubte ihr den Atem, noch bevor sie vollständig untergetaucht war. Die Wucht des Aufpralls trieb sie tief, tiefer als je zuvor, in ein Wasser, so dunkel, dass es selbst das Licht zu absorbieren schien. Ihre Trommelfelle schmerzten laut. Ihre Rippen pressten gegen Organe, die niemals für solch einen Druck geschaffen waren. Einen langen, schwebenden Moment lang war sie sich sicher, tot zu sein und es einfach noch nicht realisiert zu haben.
Dann übernahm das Training erneut die Kontrolle.
Sie strampelte. Ihre Beine reagierten, träge, aber bestimmt. Sie lebte. Sie war bei Bewusstsein. Sie war fünfzehn Meter unter Wasser, ohne Luft und ohne sichtbare Oberfläche, aber sie lebte.
Der Aufstieg schien eine Ewigkeit zu dauern. Ihre Lungen brannten wie Feuer unter Sauerstoffmangel, und Flecken tanzten vor ihren Augen. Als ihr Kopf endlich die Wasseroberfläche durchbrach, entfuhr ihr ein heftiger Keuchlaut.