Ich folgte ihm schweigend. Jeder Schritt war schwer, aber gleichzeitig seltsam sicher. Sie war nicht mehr die Frau aus der Cafeteria. Irgendetwas hatte sich in mir verändert.

Als wir nach Hause kamen, zog Viktor beiläufig seinen Mantel aus und schaltete den Fernseher ein, als wäre nichts geschehen.

„Was essen wir?“, fragte er, ohne mich anzusehen.

Ich antwortete nicht.

Stattdessen ging ich direkt ins Arbeitszimmer. Ich öffnete eine Schublade, die ich seit Monaten nicht mehr angefasst hatte. Darin lag ein Ordner. Mein Ordner. Meine Zeichnungen. Meine Entwürfe.

Die, die „er“ heute so berühmt präsentiert hatte.

Ich nahm ihn in die Hand und hielt ihn einen Moment lang fest. Dann zog ich mein Handy heraus.

Ich wählte die Nummer.

„Guten Abend“, sagte ich ruhig. „Hier ist Lena Nováková von der technischen Abteilung. Ich möchte mit dem Direktor über den heute bewilligten Rationalisierungsvorschlag sprechen.“

Am anderen Ende der Leitung herrschte Stille.

„Ja … der Punkt ist, dass der Entwurf nicht von Herrn Viktor stammt.“

Ich schaute ins Wohnzimmer. Er lachte. Er lachte immer noch.

„Er ist von mir.“

Am nächsten Morgen war die Spannung in der Fabrik schon am Eingang spürbar.

Viktor ging neben mir her, selbstsicher wie immer. Er wusste es noch nicht.

Aber ich wusste es.

Als wir ins Büro der Geschäftsleitung gerufen wurden, sah ich zum ersten Mal, wie ihm die Farbe aus dem Gesicht wich.

Meine Mappe lag auf dem Tisch.

„Können Sie uns das erklären?“, fragte der Direktor kühl.

Viktor lachte. Nervös.

„Das ist ein Irrtum …“

„Nein“, unterbrach ich ihn ruhig. „Ich habe die Originalentwürfe, die Arbeitsversionen und die datierten Notizen.“

Stille.

Dieselbe Stille wie gestern in der Kantine.

Aber diesmal lachte niemand.

Eine halbe Stunde später stand er nicht mehr neben mir wie eine „angesehene Person“.

Er stand da, als wäre sein sorgsam aufgebautes Image gerade zerbrochen.

Als wir nach draußen gingen, versuchte er, mich aufzuhalten.

„Lena, warte … so habe ich das nicht gemeint …“

Ich sah ihn an. Ruhig. Gefühllos.

„Aber er hat es so gemeint“, sagte ich leise. „Und heute hat es endlich jeder gesehen.“

Dann drehte ich mich um und ging.

Diesmal ohne ihn.

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