Der Streit begann nicht mit einem Schrei. Er begann mit Stille. Mit dieser schweren, erdrückenden Stille, die sich zwischen zwei Menschen ausbreitet, wenn beide wissen, dass etwas unwiederbringlich zerbrochen ist.
Sie stand im Wohnzimmer, eine Hand auf dem Bauch, die andere auf der Stuhllehne. Ihr Atem ging stoßweise. Nicht, weil sie sich als Opfer darstellen wollte, sondern weil sie sich wirklich zu beruhigen versuchte. Er lief auf und ab, die Kiefer angespannt, die Hände zu Fäusten geballt. Jeder Schritt klang wie ein Schlag.
„Ich will nichts mit diesem Kind zu tun haben“, platzte er plötzlich heraus. „Ich habe das nie gewollt.“
Die Worte prallten von den Wänden ab und trafen sie mit brutaler Präzision. Ein Ausdruck, für den es kein Wort gab, erschien in ihren Augen – eine Mischung aus Schock, Schmerz und Fassungslosigkeit.
„Aber … wir haben es geplant“, flüsterte sie. „Du hast gesagt, du wärst bereit. Dass du eine Familie wolltest.“
Er lachte. Kurz. Schrill.
„So etwas habe ich nie gesagt. Und selbst wenn, hätte ich es mir anders überlegt.“
Sie versuchte, ihn an ihre gemeinsamen Jahre zu erinnern. Wie sie zusammen die Miete bezahlt, auf Urlaube verzichtet, jeden Cent gespart hatten. Wie sie von dem Haus gesprochen hatten, das sie eines Tages bauen wollten. Er hörte zu, doch sein Gesichtsausdruck blieb kalt.
Dann zog er einen Ordner mit Dokumenten hervor.
„Dieses Haus gehört mir“, sagte er ruhig. „Es steht nur mein Name auf den Papieren. Und das ist alles, was zählt.“
Eine formale Angelegenheit, die sich im Nu in eine Waffe verwandelte.

„Du verlierst dein Recht, hier zu wohnen“, fuhr er fort. „Pack deine Sachen.“
Er kam nicht dazu, ein weiteres Wort zu sagen. Er stellte die Koffer neben die Tür, öffnete das Auto und fuhr sie, ohne einen zweiten Blick zu werfen, zum nächsten Hotel. Er hielt an, holte den Koffer aus dem Kofferraum und stellte ihn auf den Bürgersteig.
„Komm raus“, sagte er. „Es ist vorbei.“
Sie weinte. Sie hielt sich den Bauch und flehte. Nicht für sich selbst. Für das Baby.
„Bitte … lass mich nicht hier …“
Er schloss die Tür und fuhr weg.
Auf dem Heimweg verspürte er Erleichterung. Die Stille im Auto wirkte befreiend. Er redete sich ein, dass er endlich frei war. Dass er getan hatte, was er tun musste. Dass er einen Neuanfang wagte.
Als er am Haus ankam, bemerkte er das Licht auf der Veranda. Er ließ es an. Er stieg aus, holte die Schlüssel heraus und blieb stehen.
Vor der Tür stand ein Koffer.
Derselbe, den er Stunden zuvor vor dem Hotel auf den Bürgersteig gestellt hatte.
Neben ihm lag ein Umschlag. Und darauf ein einziger Satz, mit zitternder Hand geschrieben:
„Ich nehme nichts mit, was mir nicht gehört. Nur die Wahrheit.“
Er öffnete die Tür. Das Haus war leer. Die Stille, die ihm zuvor Trost gespendet hatte, war nun einer anderen, bedrückenden, unverzeihlichen Stille gewichen.
Erst jetzt begriff er, dass ihm diese Nacht keine Freiheit gebracht hatte.
Nur Leere.