Ein Millionär musste mit ansehen, wie 37 Kindermädchen innerhalb von nur zwei Wochen sein Haus verließen … bis einer Haushälterin schließlich gelang, was allen anderen misslungen war.

Insgesamt 37 Kindermädchen verließen innerhalb von zwei Wochen die Villa Delcourt, hoch über Menton gelegen. Manche gingen stillschweigend, den Blick gesenkt, andere schrien, dass kein Gehalt der Welt das aufwiegen könne, was hinter diesen Mauern geschah. Die Letzte rannte aus dem Tor, die Bluse zerrissen, das Haar blau von Tempera gefärbt, die Augen vor Entsetzen geweitet.

„Das Haus ist verflucht!“, rief sie dem Wachmann zu. „Ihr Chef braucht kein Kindermädchen. Er braucht einen Exorzisten.“

Julien Delcourt stand in einem verglasten Büro im obersten Stockwerk und sah schweigend zu, wie das Taxi hinter einer Biegung im Kiefernwald verschwand. Er war 38 Jahre alt, besaß ein Immobilienimperium, das sich von Monaco bis Lyon erstreckte, und fühlte sich dennoch besiegt. Sein Blick fiel auf das Foto auf seinem Schreibtisch. Sophie. Seine Frau. Sie lächelte, umgeben von ihren sechs Töchtern, als wäre die Welt noch in Ordnung.

Er war es nicht.

Ein Jahr war seit ihrem Tod vergangen. Ein Jahr, in dem das Haus einem Schlachtfeld gleich geworden war. Kinder waren nicht böse. Sie waren gebrochen. Und gebrochene Kinder können gefährlich sein.

Das Telefon auf seinem Schreibtisch vibrierte.

„Mr. Delcourt“, kam die müde Stimme seiner Assistentin, „alle Agenturen haben uns abgelehnt. Sie verweisen auf ein instabiles und potenziell gefährliches Arbeitsumfeld.“

Julien schloss die Augen.

„Also kein Kindermädchen mehr.“

„Nein. Aber eine Haushälterin wäre bereit zu kommen. Nur zum Putzen.“

Er blickte aus dem Fenster auf den verwüsteten Garten, die kaputten Schaukeln und den aufgerissenen Rasen.

„Stellen Sie sie ein“, sagte er leise. „Alles andere ist unwichtig.“

Am anderen Ende der Stadt, im Arbeiterviertel Roquebrune, band die 27-jährige Nora Bensalem ihr Haar zu einem strengen Dutt zusammen und schlug ihr Lehrbuch für Kinderpsychologie zu. Tagsüber putzte sie Häuser. Nachts lernte sie. Die Schulden trieben sie an den Rand des Zusammenbruchs.

„Große Villa. Sofortiger Beginn. Doppeltes Gehalt“, stand in der Nachricht.

Sie blickte auf die unbezahlte Rechnung auf ihrem Schreibtisch.

„Schicken Sie die Adresse“, antwortete sie.

Sie ahnte nicht, dass es hier noch nie jemand länger als einen Tag ausgehalten hatte.

Die Villa war still. Unnatürlich. Die Wände waren zerkratzt, Geschirr stapelte sich in der Spüle, und die Luft war zum Schneiden. Der Wachmann öffnete ihr mit einem mitleidigen Blick die Tür.

„Viel Glück“, murmelte einer der Männer.

Julien sah älter aus, als er war. Müde. Gebrochen.

„Ich putze einfach“, sagte Nora ruhig. „Ich passe nicht auf Kinder auf.“

„Natürlich“, antwortete er ausweichend.

In diesem Moment ertönte ein dumpfer Schlag und unterdrücktes Lachen von oben. Sechs Mädchen erschienen auf der Treppe. Die Älteste, kaum zwölf Jahre alt, trat vor.

„Siebenunddreißig“, sagte sie kalt. „Du bist die Nächste.“

Nora musterte sie aufmerksam. Sie sah keine Grausamkeit in ihren Augen. Sie sah Angst.

„Ich fange in der Küche an“, sagte sie schlicht.

Dort fand sie ein Foto von Sophie. Zuerst gesund und glücklich. Dann blass, mit einem Blick wie im Krankenhaus. Am Kühlschrank hing eine Liste mit den Lieblingsgerichten jeder Tochter, sorgfältig von ihrer Mutter geschrieben. In diesem Moment verstand Nora. Es war kein Trotz. Es war Schmerz, der nirgendwohin konnte.

Sie erhob nicht die Stimme. Sie bestrafte nicht. Am ersten Tag putzte sie nur und kochte genau nach Liste. Am nächsten Tag reparierte sie das kaputte Regal und hörte schweigend zu. Am dritten Tag legte sie ein altes Fotoalbum auf den Tisch.

Am vierten Tag weinte das jüngste Mädchen in ihren Armen.

Nach einer Woche hatte sich das Haus verändert. Nicht, weil die Kinder ruhig waren. Sondern weil sie nicht mehr allein waren.

Julien bemerkte es zu spät. Eines Abends kam er nach Hause und hörte Lachen. Echtes Lachen. Er blieb in der Tür stehen und traute seinen Ohren nicht.

„Was hast du mit ihnen gemacht?“, fragte er leise.

Nora sah ihn an.

„Nichts“, antwortete sie. „Ich habe sie einfach nicht als Problem gesehen.“

An diesem Abend weinte Julien zum ersten Mal seit einem Jahr. Nicht um sich selbst. Sondern weil seine Töchter wieder ins Leben zurückgefunden hatten.

Und die Haushälterin, die eigentlich nur einen Tag bleiben sollte, blieb für immer.

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