Ich holte meine Tochter von der Schule ab und merkte sofort, dass etwas nicht stimmte.

Normalerweise rennt sie auf mich zu, wedelt mit ihrem Rucksack und erzählt ununterbrochen von ihren Freunden und der Pause. Doch heute stand sie nur am Eingang, die Riemen ihres Rucksacks fest an die Brust gepresst, und als sie mich sah, wand sie sich, als hätte sie die Tränen die letzten Stunden zurückgehalten.

Sie rannte zu mir, packte mich mit aller Kraft und vergrub ihr Gesicht an meiner Schulter. Ich spürte, wie ihr kleiner Körper zitterte. „Mama“, flüsterte sie schluchzend, „ich will nicht mehr in diese Schule gehen.“

Ich erstarrte. Das hatte sie noch nie gesagt. Niemals. „Tochter, was ist passiert? Wer hat dir wehgetan?“, fragte ich mit zitternder Stimme.

Sie schluchzte, holte tief Luft, als wolle sie ihren Mut zusammennehmen, und brachte hervor: „Unser… unser Sportlehrer… Mama, ich will nicht zu ihm gehen. Er… tut etwas Schreckliches.“

Mein Herz setzte einen Schlag aus. Ich hockte mich hin, um ihr in die Augen zu sehen, doch sie wandte den Blick ab, zu verlegen, um es auszusprechen. „Was macht er, mein Schatz? Kannst du es mir sagen?“

Sie schüttelte den Kopf und drückte sich noch enger an mich. Ihre Finger krallten sich fest in meine Jacke. Und dann sagte sie mit kaum hörbarer Stimme etwas, das mich zutiefst erschreckte: „Mama … er … hat mich … angefasst … da, wo niemand hingehört.“

Die Luft um uns herum schien zu gefrieren. Ihre Worte schnitten mir wie ein Messer ins Herz. Ich konnte nicht glauben, dass so etwas passiert war. Ich ging zu ihr, umarmte sie noch einmal und flüsterte: „Mama ist für dich da, wir schaffen das zusammen. Ich lasse dich nie allein.“

Ihr Körper zitterte noch heftiger, und Tränen traten ihr in die Augen. Sie war verängstigt, verwirrt und fühlte sich von jemandem verraten, der ihr Lehrer und Beschützer hätte sein sollen. In diesem Moment wusste ich, dass wir sofort handeln mussten.

Ich brachte sie nach Hause, setzte sie aufs Bett und versuchte ihr langsam zu erklären, dass es nicht ihre Schuld war. Dass sie das Recht hatte, „Nein“ zu sagen, und dass jeder, der ihr wehgetan hatte, schuldig war. Dann griff ich zum Telefon und kontaktierte die Schule und die zuständigen Behörden.

Ihr Weinen und ihre Angst verfolgten mich, gaben mir aber gleichzeitig Kraft. Ich wusste, dass von nun an nichts mehr so ​​sein würde wie zuvor, dass wir der Wahrheit ins Auge sehen mussten und dass dies der einzige Weg war, wie meine Tochter sich wieder sicher fühlen konnte.

Ich habe an diesem Tag eines gelernt: Manchmal ist es nicht das Wichtigste, Kinder nur körperlich zu schützen, sondern ihnen zuzuhören und ihnen zu glauben. Und ich werde meiner Tochter beistehen, bis Gerechtigkeit geschehen ist.

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