Ich hätte nie gedacht, dass ein einfacher Gang ins Badezimmer mir so peinlich sein könnte.
Es war ein ganz gewöhnlicher Abend. Ich besuchte meine Freundin; wir hatten zusammen zu Abend gegessen und dann einen Film geschaut. Als sie in die Küche ging, um Tee zu machen, ging ich ins Badezimmer, um mir die Hände zu waschen.
Und genau da fiel mir etwas Merkwürdiges auf.
Auf dem Boden, neben dem Waschbeckenunterschrank, lag ein kleiner Gegenstand von ungewöhnlicher Form. Es war kein Kamm, keine Zahnbürste – nichts, was man normalerweise in einem Badezimmer erwarten würde. Er hatte eine seltsame Krümmung und verschiedene Teile, deren Zweck mir völlig unklar war.
Ich hob ihn auf und betrachtete ihn von allen Seiten.
„Was um alles in der Welt ist das?“, murmelte ich vor mich hin.
Zuerst dachte ich, es könnte zu einem Beauty-Gerät gehören. Dann fragte ich mich, ob es für die Körperpflege gedacht war. Aber keine meiner Theorien ergab wirklich Sinn.
Ich legte den Gegenstand zurück auf den Boden, doch meine Neugier ließ mir keine Ruhe.
Einige Minuten vergingen, und ich hatte immer noch keine Ahnung, was ich da vor mir hatte.
Das Schlimmste war, dass es mir plötzlich peinlich wurde. Was, wenn es etwas völlig Alltägliches ist und ich der Einzige auf der Welt bin, der es nicht erkennt? Und was, wenn ich frage und sie mich dafür die nächsten zehn Jahre auslacht?
Schließlich beschloss ich, den Gegenstand einfach liegen zu lassen und so zu tun, als wäre nichts gewesen.
Doch als ich ins Wohnzimmer zurückkehrte, bemerkte meine Freundin sofort meinen seltsamen Gesichtsausdruck.
„Was ist los?“, fragte sie.
„Nichts“, antwortete ich, ein wenig zu schnell.
Sie sah mich misstrauisch an.
„Warum siehst du dann so aus, als hättest du gerade ein Familiengeheimnis aufgedeckt?“
In diesem Moment wusste ich, dass es keinen Sinn mehr hatte, es zu leugnen. „Okay, ich habe eine Frage. Aber versprich mir, dass du nicht lachst.“

„Das kommt auf die Frage an“, antwortete sie lachend.
Ich erklärte ihr, was ich im Badezimmer gefunden hatte, und beschrieb die eigenartige Form des Gegenstands. Sobald sie verstand, wovon ich sprach, hielt sie kurz inne.
Dann brach sie in ein so lautes Lachen aus, dass ich sofort bereute, überhaupt den Mund aufgemacht zu haben.
„Du weißt wirklich nicht, was das ist?“, fragte sie, während sie immer noch lachte.
„Wenn ich es wüsste, würde ich wohl kaum fragen!“
Sie stand auf, führte mich zurück ins Badezimmer und hob den Gegenstand auf.
„Schau mal genau hin. Da gibt es kein Geheimnis. Es ist einfach nur ein Hilfsmittel, das ich für meine regelmäßige Körperpflege benutze.“
Dann erklärte sie mir den Zweck und zeigte mir, wie man es verwendet. Plötzlich ergab alles einen Sinn.
Ich stand nur da und schüttelte ungläubig den Kopf.
Die ganze Zeit hatte ich mir die wildesten Szenarien ausgemalt – dabei war es in Wirklichkeit etwas völlig Alltägliches; ich wusste nur einfach nicht, was es war.
„Du wolltest mich also die ganze Zeit schon danach fragen, hast aber stattdessen eine halbe Stunde damit verbracht, darüber zu grübeln?“, lachte sie.
„Ich wollte meine Würde bewahren“, antwortete ich.
„Und, wie ist das ausgegangen?“
„Ich glaube, die habe ich gerade verloren.“
Von diesem Moment an wurde der Vorfall zu unserem liebsten Insider-Witz. Wann immer ich im Badezimmer etwas entdecke, das ich nicht zuordnen kann, sieht mich meine Freundin an und fragt: „Na, Herr Detektiv? Hast du schon herausgefunden, wofür das gut ist?“
Und ich habe eine wichtige Lektion gelernt: Manchmal ist es viel einfacher, einfach direkt nachzufragen, anstatt eine halbe Stunde damit zu verbringen, sich eine eigene Erklärung zusammenzureimen.
Sei mal ehrlich: Hast du auch schon mal einen Gegenstand gefunden, bei dem du absolut keine Ahnung hattest, wofür er gut sein könnte?