Ein kleines Mädchen rief die Polizei und sagte, ihre Eltern seien bewusstlos. Als die Streife eintraf, bot sich ihnen ein erschütternder Anblick, der selbst erfahrene Rettungskräfte schockierte.

Es war genau zwei Uhr morgens, als die Leitstelle den Anruf entgegennahm. Die Leitung war einige Sekunden lang still, bevor eine schwache, zitternde Stimme ertönte.

„Bitte… helfen Sie mir. Meine Eltern wachen nicht auf.“

Die Mitarbeiterin der Leitstelle stand auf. Es war kein Geräusch zu hören, kein Schreien, nur Stille, unterbrochen vom flachen Atem des Kindes. Anhand der Stimme schätzte sie das Alter auf höchstens sieben Jahre.

„Okay, mein Schatz“, sagte sie ruhig und langsam, genau wie sie es gelernt hatte. „Ich heiße Jana und bin für dich da. Wir schicken Hilfe. Aber jetzt musst du mir ein paar Fragen beantworten, okay?“

„Ja…“, flüsterte das kleine Mädchen.

„Wie heißt du?“

„Eliška.“

„Okay, Elisha. Bist du jetzt allein zu Hause?“

„Ja. Nur ich und sie.“

„Wo sind deine Eltern?“

„Im Schlafzimmer. Sie liegen im Bett. Ich habe versucht, sie zu wecken, aber sie bewegen sich nicht.“

Die Notrufzentrale machte sich schnell Notizen. Der Ton des Kindes klang nicht hysterisch. Es war ängstlich, aber seltsam ruhig. Das war beunruhigend.

„Atmen Sie langsam“, fuhr sie fort. „Können Sie sehen, ob sie atmen? Hebt sich ihr Brustkorb?“

Am anderen Ende der Leitung herrschte einige Sekunden Stille.

„Ich weiß nicht … Ich glaube, Mama atmet. Papa … ich weiß nicht.“

„Okay. Fassen Sie sie nicht mehr an, okay? Bleiben Sie am Telefon. Die Streife ist unterwegs.“

Inzwischen waren zwei Polizeistreifen und ein Krankenwagen zu der Adresse geschickt worden. Die Wohnung lag am Stadtrand, in einem ruhigen Wohngebiet. Keine Vorfälle, keine Probleme. Eine ganz normale Familie.

Als die erste Streife eintraf, war es kurz nach 2:12 Uhr. Das Haus lag in Dunkelheit. Nur im Kinderzimmer brannte eine kleine Lampe.

Ein kleines Mädchen im Schlafanzug öffnete die Tür. Sie hielt ein Handy in der Hand. Sie zitterte, weinte aber nicht.

„Bist du Eliška?“, fragte der Polizist leise.

Sie nickte.

„Du bist sehr tapfer. Wir kümmern uns jetzt um alles.“

Sie führten sie ins Wohnzimmer, setzten sie auf die Couch und deckten sie mit einer Decke zu. Währenddessen gingen die Retter ins Schlafzimmer.

Was sie dort vorfanden, veränderte die Atmosphäre des Einsatzes sofort.

Die Eltern lagen im Bett. Die Mutter war bewusstlos, der Vater hatte einen schwachen Puls. Das Fenster war geschlossen. Keine Anzeichen eines Kampfes. Kein Blut. Nur ein schwerer, seltsamer Geruch in der Luft, den einer der Retter sofort erkannte.

Kohlenmonoxid.

Die Messung bestätigte eine hohe Gaskonzentration. Sofort wurde Alarm ausgelöst. Das gesamte Haus wurde evakuiert, die Feuerwehr alarmiert. Es stellte sich heraus, dass der alte Gasboiler im Hauswirtschaftsraum ausgefallen war und stundenlang tödliches Gas ausgestoßen hatte.

Die Eltern sollten nicht mehr aufwachen.

Nur Eliška war es zu verdanken, dass beide noch lebten.

Die Rettungssanitäter brachten sie umgehend ins Krankenhaus. Beide kamen auf die Intensivstation. Die Ärzte bestätigten später, dass ihre Überlebenschancen minimal gewesen wären, wenn der Notruf 15 Minuten später eingegangen wäre.

Und Eliška?

Sie saß im Krankenwagen, klammerte sich an einen Teddybären, den ihr einer der Polizisten geschenkt hatte, und fragte immer wieder nur eines:

„Wird Mama wieder gesund?“

Einige Tage später wachten die Eltern auf. Die ersten Worte der Mutter galten ihrer Tochter. Der Vater brach in Tränen aus, als der Arzt ihm sagte, wer ihnen das Leben gerettet hatte.

Der Fall machte unter den Rettungskräften schnell die Runde und galt als Beispiel für die unglaubliche Geistesgegenwart des Kindes. Die Polizisten vor Ort waren sich einig: Selten hatten sie ein so kleines Kind erlebt, das in einer solchen Situation so richtig reagierte.

Eliška bekam keine Medaille. Sie wollte keine Aufmerksamkeit. Alles, was sie bekam, waren Umarmungen ihrer Eltern, die wussten, dass sie ohne sie keinen weiteren Morgen erleben würden.

Und manchmal genügt eine leise Stimme um zwei Uhr morgens, um das Schicksal einer ganzen Familie zu verändern.

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