Drei Jahre zuvor war alles ganz anders gewesen.
Damals war Sunny noch klein gewesen. Margaret hatte ihn aufgenommen, als er kaum größer als ihr Unterarm war. Sie gab ihm seinen Namen, richtete ihm ein geeignetes Terrarium ein und kümmerte sich jeden Tag um ihn. Anfangs beobachtete sie ihn mit der Vorsicht eines Menschen, der wusste, dass er es mit einem wilden Tier zu tun hatte.
Doch die Angst verschwand schneller, als sie erwartet hatte.
Sunny gewöhnte sich an ihre Stimme, an ihre Bewegungen und an den Rhythmus ihres Alltags. Margaret sprach mit ihm, wenn sie morgens ihren Kaffee trank, erzählte ihm manchmal sogar, was sie an diesem Tag vorhatte. Natürlich wusste sie, dass eine Schlange kein Gespräch verstand. Trotzdem hatte sie das Gefühl, dass zwischen ihnen eine besondere Verbindung entstanden war.
Mit den Jahren wurde Sunny immer größer.
Aus dem kleinen Python war eine beeindruckende Schlange geworden. Sein Körper war kräftig, seine Bewegungen langsam und kontrolliert. Für Margaret war seine Größe jedoch kein Grund zur Sorge. Sie hatte sich längst daran gewöhnt, dass Sunny sich in ihrer Nähe bewegte.
Sie hätte niemals gedacht, dass genau dieses Vertrauen eines Tages gefährlich werden könnte.
Es begann an einem völlig gewöhnlichen Abend.
Margaret ging wie immer schlafen. Das Schlafzimmer war ruhig, das Licht ausgeschaltet. Sie legte sich hin und schlief nach kurzer Zeit ein.
Irgendwann in der Nacht wachte sie auf.
Zunächst wusste sie nicht, warum.
Dann bemerkte sie eine Bewegung neben sich.
Als sie die Augen öffnete, sah sie Sunny.
Der Python lag direkt neben ihr im Bett.
Margaret erschrak zwar für einen Moment, aber sie geriet nicht in Panik. Sie nahm an, dass die Schlange aus irgendeinem Grund aus ihrem vorgesehenen Bereich herausgekommen war. Vielleicht suchte sie Wärme. Vielleicht hatte sie einfach einen Weg gefunden, aus dem Terrarium zu gelangen.
Margaret schob Sunny vorsichtig zur Seite und brachte ihn zurück.
Am nächsten Morgen erzählte sie niemandem davon.
Für sie war es eine merkwürdige, aber harmlose Episode.
Doch in der folgenden Nacht geschah es wieder.
Und in der Nacht danach ebenfalls.
Bald wurde daraus eine Gewohnheit.
Sunny tauchte immer wieder im Schlafzimmer auf. Zunächst blieb er am Fußende des Bettes. Danach bewegte er sich langsam näher zu Margaret. Schließlich lag er direkt neben ihr.
Die 75-Jährige empfand das sogar als Zeichen von Vertrauen.
Sie glaubte, Sunny fühle sich in ihrer Nähe sicher.
Mit der Zeit wurde das Verhalten der Schlange noch ungewöhnlicher.
Eines Morgens stellte Margaret fest, dass Sunny sich während der Nacht um ihre Beine gelegt hatte. Einige Tage später bemerkte sie, dass er sich sogar über ihren Bauch gelegt hatte.
Trotzdem hatte sie keine Angst.
Sie erzählte ihrer Tochter Daniella davon.
Daniella war Tierärztin und kannte sich mit Tieren deutlich besser aus als ihre Mutter. Sie hatte Sunny schon mehrfach gesehen und wusste, dass ein großer Python keineswegs mit einem gewöhnlichen Haustier gleichzusetzen war.
Als Margaret ihr am Telefon von den nächtlichen Besuchen erzählte, musste sie zunächst lachen.

„Er kommt wirklich jede Nacht zu mir“, sagte Margaret.
„Und was macht er dann?“, fragte Daniella.
Margaret erklärte ihr, dass Sunny inzwischen häufig direkt neben ihr lag und sich manchmal um ihre Beine oder ihren Bauch schlang.
Am anderen Ende der Leitung wurde es still.
Margaret bemerkte die Veränderung sofort.
„Was ist los?“
Daniella antwortete zunächst nicht.
„Mama, schläfst du wirklich mit ihm im selben Bett?“
„Natürlich. Er tut mir doch nichts.“
Wieder herrschte Schweigen.
Dann sagte Daniella etwas, das Margaret völlig unerwartet traf.
Sie solle Sunny ab sofort niemals wieder ins Bett lassen.
Nicht einmal für eine Nacht.
Margaret verstand die Reaktion ihrer Tochter nicht.
Für sie war Sunny friedlich. Er hatte sie in den vergangenen Jahren nie gebissen, nie angegriffen und sich immer ruhig verhalten.
„Warum sollte ich plötzlich Angst vor ihm haben?“, fragte sie.
Daniella erklärte ihr, dass genau diese Tatsache das Problem sein könnte.
Sie wollte ihre Mutter nicht erschrecken, bevor sie die Situation selbst gesehen hatte. Deshalb beschloss sie, so schnell wie möglich zu Margaret zu fahren.
Einige Tage später stand Daniella tatsächlich vor der Tür.
Margaret begrüßte ihre Tochter und führte sie in die Küche. Während sie Tee zubereitete, begann sie erneut von Sunny zu erzählen.
Sie beschrieb genau, wie die Schlange sich nachts verhielt.
Wie sie zunächst am Fußende gelegen hatte.
Wie sie immer näher gekommen war.
Und wie sie inzwischen regelmäßig neben Margaret im Bett lag.
„Manchmal legt er sich sogar u