Alex lehnte sich in seinem Sitz zurück und starrte einige Sekunden lang schweigend auf die Leere hinter der offenen Hubschraubertür.
Veronika war fort.
Diesmal konnte ihr niemand helfen.
Zumindest glaubte er das.
Der Pilot sah ihn verwirrt an.
„Was ist passiert?“, fragte er.
Alex drehte sich langsam um.
„Meine Frau ist herausgefallen“, antwortete er ruhig.
„Sie ist herausgefallen?“, fragte der Pilot und wurde kreidebleich. „Wie konnte sie denn herausfallen?“
Alex senkte den Blick und setzte den Ausdruck eines verzweifelten Ehemanns auf.
„Ich weiß es nicht. Sie wollte ein Foto machen. Plötzlich verlor sie das Gleichgewicht.“
Der Pilot schwieg einen Moment. Irgendwie kam ihm die ganze Situation komisch vor, aber Alex wirkte so überzeugend, dass er schließlich die Hubschraubertür schloss.
Alex atmete erleichtert auf.
Jetzt gab es nur noch eines zu tun:
Zurück aufs Festland, die tragische Nachricht verkünden und Veronicas Vermögen übernehmen.
Doch Alex ahnte nicht, dass, während er in Gedanken bereits Milliarden ausgab, jemand anderes jeden seiner Schritte beobachtete.
Und dieser Jemand war ihm viel näher, als er sich hätte vorstellen können.
Einige Stunden später tauchte Alex am Flughafen auf.
Polizei, Sanitäter und Veronicas Kollegen warteten dort.
Als er aus dem Hubschrauber stieg, sah er völlig verzweifelt aus.
„Es gab einen Unfall“, wiederholte er.
Die Polizei leitete sofort eine Suchaktion ein. Boote und Hubschrauber wurden aufs Meer hinausgeschickt. Rettungskräfte suchten das Gebiet ab, in dem Veronica laut Alex verschwunden sein sollte.
Alle befürchteten das Schlimmste.
Alle außer einer Person.
Veronicas langjähriger Anwalt.
Ein Mann namens Richard stand ein paar Schritte von Alex entfernt und beobachtete ihn schweigend.
Alex zögerte einen Moment, als sich ihre Blicke trafen.
Richard kam langsam auf ihn zu.
„Es tut mir so leid“, sagte er.
Alex senkte den Kopf.
„Es war meine Frau.“
Richard sah ihn an.
„Ja. Das wissen wir jetzt.“
Doch irgendetwas lag seltsam in seiner Stimme.
Alex bemerkte es.
„Was meinen Sie?“
Richard antwortete nicht.
Stattdessen drehte er sich um und ging weg.
Alex sah ihm nach.
Zum ersten Mal seit Veronicas Verschwinden spürte er etwas Unerwartetes.
Angst.
Zwei Tage später wurde die Suche offiziell eingestellt.
Veronicas Leiche wurde nie gefunden.
Alex war Witwer.
Und offenbar auch einen Erben.
Doch als seine Anwälte versuchten, auf das Vermögen zuzugreifen, stießen sie auf ein Problem.
Veronica war nicht naiv.
Ihre gesamten Geschäftsanteile, Immobilien und Finanzanlagen waren auf mehrere juristische Personen aufgeteilt.
Laut Ehevertrag standen Alex einige Vermögenswerte zu.
Aber nicht alle.
Und vor allem hatte er nicht automatisch die Kontrolle über ihr Firmenimperium.
Alex war wütend.
„Sie war meine Frau!“, schrie er die Anwälte an.
Doch Richard blieb ruhig.
„Ja. Aber Veronica hatte ihre Verträge schon Jahre vor Ihrer Begegnung vorbereitet.“
Alex ballte die Fäuste.
„Was bekomme ich also?“
Richard öffnete die Akte.
„Das hängt davon ab, was mit Ihrer Frau passiert ist.“
Stille breitete sich im Raum aus.
Alex stand auf.
„Wie meinen Sie das?“
Richard sah ihn an.
„Wenn ihr Tod durch einen Unfall verursacht wurde, wird das Nachlassverfahren fortgesetzt. Sollte die Polizei jedoch feststellen, dass Sie für ihren Tod verantwortlich sind, erhalten Sie nichts.“
Alex wurde kreidebleich.
„Beschuldigen Sie mich?“
„Nein“, erwiderte Richard. „Ich informiere Sie lediglich über die Rechtslage.“
Wütend verließ Alex das Büro.
Er ahnte nicht, dass Richard seit Tagen an etwas arbeitete, das seinen gesamten Plan zunichtemachen könnte.
Am dritten Tag nach dem angeblichen Unfall traf ein anonymes Paket auf der Polizeiwache ein.

Darin befand sich eine kleine Speicherkarte.
Die Ermittler steckten sie in einen Computer.
Eine Videoaufnahme erschien.
Auf den ersten Blick wirkte sie wie ein normales Sicherheitsvideo vom Flughafen.
Die Aufnahmen zeigten einen Hubschrauber im Start.
Veronika stieg ein.
Alex folgte ihr.
Alles schien normal.
Bis zu dem Moment, als Veronika im Bild erschien.
Die Ermittler hielten das Video mehrmals an.
Etwas Seltsames lag auf ihrem Gesicht.
Keine Angst.
Keine Traurigkeit.
Eher Entschlossenheit.
Einem der Polizisten fiel noch etwas auf.
Veronika warf einen kurzen Blick direkt in die Kamera, bevor sie in den Hubschrauber stieg.
In ihrer Hand hielt sie eine kleine schwarze Tasche.
Eine Tasche, die später niemand fand.
Die Ermittler kontaktierten sofort das Flughafenpersonal.
Und da kam die erste große Überraschung.
Veronika hatte vor ihrer Abreise einen zweiten Hubschrauber gemietet.
Doch dieser hob nicht ab.
Warum?
Niemand wusste es.
Einige Tage später saß Alex in seinem neuen Büro.
Auf dem Tisch vor ihm lagen Dokumente.
Er wartete auf die Gerichtsentscheidung.
Er glaubte, die Zeit spiele ihm in die Karten.
Da klingelte das Telefon.
„Herr Alex“, sagte eine unbekannte Stimme. „Ich glaube, Sie sollten wissen, dass Ihre Frau nicht tot ist.“
Alex erstarrte.
„Wer sind Sie?“
Am anderen Ende der Leitung herrschte kurz Stille.
„Jemand, der weiß, was Sie getan haben.“
Alex legte sofort auf.
Sein Herz raste.
Jemand kannte die Wahrheit.
Aber woher?
Er ging zum Fenster und starrte lange hinaus.
Dann bemerkte er einen schwarzen Wagen, der gegenüber parkte.
Ein Mann saß darin.
Alex kannte ihn nicht.
Ein paar Minuten später fuhr der Wagen weg.
Alex versuchte, ihn zu beruhigen.
Vielleicht war es nur Zufall.
Vielleicht wusste jemand in